Hamburger Originale vereint: Auf dem Gemälde von Karl Josef Müller sind unter anderem Hummel, Zitronenjette, Aal-Weber und „Vetter Kirchhoff“ zu sehen – das Werk kommt jetzt in Hamburg unter den Hammer.

Hamburger Originale vereint: Auf dem Gemälde von Karl Josef Müller sind unter anderem Hummel, Zitronenjette, Aal-Weber und „Vetter Kirchhoff“ zu sehen – das Werk kommt jetzt in Hamburg unter den Hammer. Foto: Kendzla

Jede Menge Hamburger Originale: Gruppenbild mit Damen unterm Hammer

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Zitronenjette, Hummel, Köksch, Udl und weitere Originale auf einem Gemälde: Eine Hamburgensie allerersten Ranges wurde vergangenen Sonnabend im Auktionshaus Kendzia an der Sierichstraße für 2000 Euro versteigert. Das Bild stammt aus dem Direktionsbüro des St. Pauli Theaters. 

Derzeit wird das 1841 gegründete Theater in dritter Generation von Thomas Collien geführt, und der 59-Jährige bestätigte der MOPO  die Herkunft des immerhin 1 mal 1,14 Meter großen Werks. Gemalt hat es der Hamburger Künstler Karl Josef Müller (1865-1942). Das Motiv ist ein echter Hingucker: Während auf der Bühne ein Ritter in glänzender Rüstung  eine „Action-Darbietung“ gibt, treffen sich davor bekannte Hamburger Originale  wie Hummel, Aal-Weber, Udl oder Köksch.

Wer der Künstler war, wissen nur Insider

Und wer ist der fröhliche Mann im weißen Anzug mit Zylinder, um den sich auf dem Gemälde alles dreht? Diese Frage ließ Auktionatorin Eva-Maria Uebach-Kendzia keine Ruhe, und sie wandte sich an das Museum für Hamburgische Geschichte. Ein Experte dort hatte die Antwort, es handelt sich um den Leinenmakler Jacob Friedrich Kirchhoff (1791-1844). Wegen seiner Streiche und Possen galt „Vetter Kirchhoff“ als der Hamburger Eulenspiegel, und er war damals extrem populär. Heute ist der Mann vergessen. 


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Nur Insidern bekannt ist auch der Schöpfer des farbenfrohen Werks. Karl Josef Müller studierte an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin und machte sich  Ende des 19. Jahrhunderts einen Namen als Maler von Genreszenen im Soldatenmilieu. Sein Spitzname war „Soldatenmüller“. Aber der Künstler schuf  auch eindrucksvolle Hafenbilder und Szenen aus dem Hamburger Volksleben. Die Gemälde waren oft mit einer gemütvollen und humoristischen Note versehen. 

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Nach 1933 erteilten die Nazis dem jüdischen Künstler ein Berufsverbot. Er wurde  1942 deportiert und verhungerte vermutlich im Oktober 1942 im Ghetto Theresienstadt. In der Cäcilienstraße (Winterhude) erinnern zwei Stolpersteine an Müller und seine Frau Rebecca, die  im KZ Auschwitz ermordet wurde. 

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