Kinder malen in ihrem Gruppenraum in der Kita.

Kinder malen in ihrem Gruppenraum in der Kita (Archivbild). Foto: picture alliance/dpa/Christian Charisius

Eltern und Erzieher empört! Hamburg macht vier ganz besondere Kitas dicht

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In Hamburg sollen alle vier sogenannten Praxisausbildungsstätten (PAS) für Erzieherinnen und Erzieher geschlossen werden. Die Einrichtungen, die seit den 1980er-Jahren bestehen, dienen als Ausbildungskitas, in denen angehende Pädagoginnen und Pädagogen praxisnah arbeiten und lernen. Die Entscheidung der Schulbehörde sorgt bei Eltern, Beschäftigten und Gewerkschaften für heftigen Protest – inzwischen läuft eine Petition für den Erhalt der Kitas.

Betroffen sind die PAS Uferstraße (Uhlenhorst), Gerritstraße (St. Pauli), die Pakita in Niendorf sowie die Kita Göhlbachtal in Harburg. „Geplant ist, die Praxisausbildungsstätten im Jahr 2027 zu schließen“, sagt Schulbehörden-Sprecher Peter Albrecht. Zwei Einrichtungen sollen zum 1. Februar 2027 schließen, die beiden anderen zum 1. August 2027.

Bereits ein Jahr vorher soll jeweils ein Aufnahmestopp für Kinder gelten. Derzeit werden in den vier PAS insgesamt 157 Kinder betreut. Der NDR und das „Abendblatt“ berichteten zuerst.

Schulbehörde: Zweck der Ausbildungskitas ist entfallen

Die Schulbehörde begründet das Aus mit veränderten Ausbildungsstrukturen. „Die Praxisausbildungsstätten sind keine Kita-Einrichtungen“, sagt Albrecht. Der ursprüngliche Zweck der PAS sei entfallen, da die praktische Ausbildung heute über die gesamte Ausbildungszeit hinweg in Kooperation mit vielen regulären Kitas stattfinde. Auch das Hamburger Institut für Berufliche Bildung erklärt, neue Bildungspläne machten eigene Ausbildungskitas überflüssig.

Bei den Beschäftigten stößt diese Einschätzung auf scharfe Kritik. Das Kollegium der PAS Gerritstraße erklärt: „Praxisausbildungsstätten sind eine ausbildungsimmanente Infrastruktur. Sie sind integraler Bestandteil der Fachschulstruktur und sichern die qualitätsvolle Ausbildung aller sozialpädagogischen Bildungsgänge.“

PAS-Kollegium: Höherer Personaleinsatz kein Luxus

Der höhere Personaleinsatz sei kein Luxus, sondern notwendig. Der Betrieb aller vier PAS koste die Stadt rund drei Millionen Euro jährlich – dafür werde „ein über Jahrzehnte bewährtes Ausbildungssystem beendet“.

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Unterstützung kommt auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „In den PAS werden aktuelle fachliche Standards frühkindlicher Bildung nicht nur vermittelt, sondern praktisch erprobt, reflektiert und weiterentwickelt“, sagt GEW-Vertreterin Varsenik Vardanyan. Diese Qualität lasse sich nicht einfach auf andere Kitas übertragen.

Eltern und Beschäftigte fordern nun einen Stopp der Schließungspläne und eine unabhängige Prüfung des PAS-Systems. Eine Petition mit dem Titel „Hamburg will Ausbildungskitas schließen“ wurde bereits von mehr als 2400 Menschen unterzeichnet (Stand 9. Februar, 11 Uhr). Die Schulbehörde kündigt an, betroffene Familien bei der Suche nach neuen Kitaplätzen zu beraten und den Mitarbeitenden alternative Perspektiven innerhalb der Stadt anzubieten. (rei)

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