Alkoholverbot in Altona: Ist das der einzige Plan gegen die Verelendung?
Ab dem 1. November gilt am Bahnhof Altona ein Alkoholverbot – die Entscheidung der Deutschen Bahn (DB) kommt überraschend für Bezirkspolitiker und andere Akteure, die seit Jahren versuchen, das Elend rund um den Bahnhof irgendwie in den Griff zu bekommen und die Lage für die Obdachlosen zu verbessern.
Verwahrloste Menschen in Schlafsäcken, Betrunkene, die ihren Rausch ausschlafen (oder vor aller Augen ihre Notdurft verrichten) – wer am Bahnhof Altona vorbeikommt, muss sich auf verstörende Szenen gefasst machen. An einem Runden Tisch arbeiten Verwaltung, Politik, Straßensozialarbeit und Deutsche Bahn seit 2021 daran, die Lage in Altona zu verbessern. Das Gratis-Klo auf dem Bahnhofsvorplatz ist etwa ein Ergebnis. Und die Renovierung des „Ekelparkhauses von Altona“ neben dem Bahnhof.
Alkoholverbot im Bahnhof Altona
Das Alkoholverbot hat die Bahn jedoch im Alleingang entschieden: „Wir wurden im Vorfeld nicht informiert“, sagt Dana Vornhagen, Vorsitzende der Grünen-Fraktion in der Bezirksversammlung Altona. Dass nun ab dem 1. November im Bahnhof Altona kein Alkohol mehr konsumiert werden darf, bezeichnet die Politikerin als „singuläre Maßnahme“: „Ich bezweifle, dass das eine Verbesserung bringt.“
Auch die Verwaltung wurde von der Ankündigung der Bahn überrascht, sieht die Maßnahme aber grundsätzlich positiv: „Das Alkoholverbot kann zu mehr Sicherheit und einer höheren Aufenthaltsqualität im Bahnhof beitragen“, heißt es vom Bezirksamt Altona. Warum der Runde Tisch im Vorfeld nicht eingebunden wurde? Immerhin hat das Alkoholverbot im Bahnhof vermutlich Auswirkungen auf die Lage im öffentlichen Raum. Die Frage will die Sprecherin der Bahn nicht beantworten, verweist darauf, dass man ja nur die Hausordnung geändert habe. Die habe bislang „übermäßigen Alkoholkonsum“ verboten und nun sei Alkohol eben generell verboten. Fertig.
Alkoholverbot: Kritik von Sozialarbeitern
Kritischer als aus der Verwaltung sind die Stimmen aus der Obdachlosenhilfe: „So ein Alkoholverbot ist nichts als eine Problemverschiebung, reine Makulatur“, sagt Florian Pittner von der Straßensozialarbeit Palette: „Da werden kranke Menschen von A nach B gescheucht, nach dem Motto aus den Augen, aus dem Sinn.“ Viele dieser Menschen seien Osteuropäer ohne Krankenversicherung. Auch die Hilfsorganisationen seien von der Ankündigung überrascht worden.
Von der Bahnhofsmission gibt es ebenfalls kritische Töne: „Ein Alkoholverbot löst aus unserer Sicht das zugrundeliegende Problem nicht – es verlagert es nur“, sagt Axel Mangat, geschäftsführender Vorstand „hoffnungsorte hamburg“, die die Bahnhofsmission betreibt: „Ein solches Verbot erschwert den Zugang zu hilfsbedürftigen Menschen, die in andere Teile der Stadt verdrängt werden.“
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Welche Auswirkungen der Alleingang der DB auf die Lage rund um den Bahnhof Altona hat, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Der Runde Tisch, betont das Bezirksamt schon mal, solle als „gewichtiges Gremium“ auch in Zukunft fortgeführt werden.