Alkohol, Pöbeleien, Elend: Ärger um Hamburger Verkehrsknotenpunkt

Der ZOB Wandsbek Markt am Abend
Der ZOB Wandsbek Markt am Abend

Mit seinem Busbahnhof und der U-Bahn-Haltestelle ist Wandsbek Markt der Verkehrsknotenpunkt im Osten Hamburgs. Rund 110.000 Fahrgäste sind hier unterwegs – jeden Tag. Doch für viele von ihnen ist die Station kein Wohlfühlort mehr, wie die CDU beklagt. Alkohol- und Drogenkonsum, sowie aggressives Betteln sorgten für Unwohlsein unter den Pendlern. Wie ist die Lage dort wirklich? Die MOPO hat sich umgehört.

Imir (55) hat sich eingemauert. Zu vier Seiten ist er von Holzkisten umstellt, inmitten des Trubels wirkt sein Süßwarenstand am ZOB fast wie eine Burg. Busse kommen an, spucken Fahrgäste aus, Busse fahren ab. Dazwischen steht Imir, seit 20 Jahren, wie er erzählt. „Immer wieder sind Leute hier aggressiv, manche schlagen sich“, sagt Imir. Aber das sei auch schon früher so gewesen. Alles wie immer also?

Hamburg: Ärger um Wandsbeker Verkehrsknotenpunkt

Eyüp Öztürk (36) sieht das anders. „Die Probleme nehmen zu“, sagt der Inhaber vom „Blumenhaus“, einem kleinen Stand im Tunnel zwischen U-Bahn und dem „Quarree“. Besoffene fielen in seine Pflanzen oder klauten sie gleich, so Öztürk.

Am westlichen Ende des U-Bahn-Tunnels steht David Atashinpanjeh (34) hinter dem Verkaufstresen des Kiosk. „Auf dieser Seite ist es vergleichsweise ruhig, am ZOB ist mehr los“, sagt er. Doch auch er erlebe „das Übliche“: pöbelnde Trinker, Obdachlose, die versuchen zu klauen.

Für „Blumenhaus“-Inhaber Eyüp Öztürk (36) hat sich die Sicherheitslage am Bahnhof verschlechtert.
Für „Blumenhaus“-Inhaber Eyüp Öztürk (36) hat sich die Sicherheitslage am Bahnhof verschlechtert.

Mit 290 Polizeieinsätzen im vergangenen Jahr belegte der Busbahnhof Wandsbek Markt den zweiten Platz in der Stadt. Nur zum ZOB am Hauptbahnhof rückte die Polizei häufiger aus. Im ersten Halbjahr 2024 waren es bereits 153 Einsätze.

CDU-Politiker: „prekäre Sicherheitslage“

Für den Bürgerschaftsabgeordneten Ralf Niedmers (CDU) sind die Zahlen ein Indiz für die „prekäre Sicherheitslage“ vor Ort. Bürger kämen wiederholt bei Veranstaltungen auf ihn und seine Parteikollegen zu, Kinder fühlten sich auf dem Schulweg nicht mehr sicher. „Das Problem wird immer schlimmer. Rot-Grün muss endlich handeln.“ Niedmers hat in der Sache eine Anfrage an den Senat gestellt, fordert einen runden Tisch mit den Beteiligten, darunter der Hochbahn, der die Sicherheit in der Station obliegt.

Fahrgäste warten auf den Bus.
Fahrgäste warten auf den Bus.

Doch der Hochbahn zufolge gibt es vor Ort keine auffällige Beschwerdelage. „Dennoch bestreift die Hamburger Hochbahn-Wache die Anlage täglich mehrfach – vor allem in den späten Nachmittags- und Abendstunden“, sagt Sprecher Christoph Kreienbaum. Ebenso werde in unregelmäßigen Abständen eine mobile Wache eingesetzt. Dazu kämen, auch um Präsenz zu zeigen, mehrmals im Monat Fahrkartenkontrollen an den Ausgängen.

Am Rande des Busbahnhofs hat sich die Trinker-Szene versammelt.
Am Rande des Busbahnhofs hat sich die Trinker-Szene versammelt.

Niedmers reicht das nicht aus. „Da ist noch deutlich Luft nach oben“, sagt der Abgeordnete. Der ÖPNV werde von den Bürgern nur angenommen, wenn sie sich sicher fühlen können. „Sonst fahren die wieder mit dem Auto.“ Der CDU-Politiker fordert für Wandsbek Markt ein Alkoholverbot, wie es seit April schon am Hauptbahnhof gilt.

Insgesamt wirkt die Station gepflegt

Von Zuständen wie am Hauptbahnhof scheint Wandsbek jedoch noch entfernt. U-Bahn-Station und Busbahnhof machen insgesamt einen gepflegten Eindruck. Am ZOB sitzen mehrere Männer zusammen und trinken Bier. Auf den Bus scheinen sie nicht zu warten. Eine weitere Gruppe Trinker steht abseits gegen ein Geländer gelehnt.

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Gerade kommt ein junges Paar mit zwei kleinen Kindern von der U-Bahn zum ZOB hinaufgelaufen. „Es wird immer wieder rumgepöbelt“, berichtet der Familienvater. Auch Schlägereien habe er schon beobachtet. „Unschön ist das, gerade mit den Kindern“, sagt er. Dann eilt die Familie weiter zum Bus.