„Akute Kaufunlust“: Wenn selbst das Weihnachtsgeschäft keine Rettung bringt
Gerade mal ein Jahr hatte Susann Schümann ihren Laden in Bramfeld, dann kam Corona. Als Nächstes der Ukraine-Krieg. Beide Krisen hat sie überstanden. Jetzt droht dennoch das Aus: Die Kunden geben kaum noch Geld aus. Und zu allem Überfluss gibt ihr jetzt auch noch die Bank den Rest. Doch aufgeben will sie nicht. Noch nicht.
Susann Schümann (61) will mit ihrem Feinkost-Laden „VielFach“ im Bramfelder Einkaufszentrum Marktplatz Galerie ein Statement für fair produzierte Artikel setzen. „Wir achten sehr darauf, dass wir hochwertige Produkte aus kleinen Manufakturen anbieten“, erzählt sie. Schokolade und Seife ohne Palmöl und Marmelade von einer Marmeladenköchin aus dem Alten Land, ohne Farbstoffe und Geschmacksverstärker. Doch jetzt steht die Hamburgerin vor großen finanziellen Problemen und bangt um die Zukunft ihres Geschäfts.
Laden in Bramfeld: Umsatz gravierend eingebrochen
„Akute Kaufunlust“ nennt Schümann das Phänomen, das sie bei ihren Kunden feststellt. Auch mit anderen Ladenbesitzern hat sie darüber gesprochen. Die Leute kommen in die Läden, schauen sich um, loben die Ware, aber sie kaufen kaum etwas. „Die Höhe des Durchschnitts-Bons hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr halbiert“, klagt sie.
Die Kaufunlust sorgt bei Schümann für schlechte Einnahmen. „Der Umsatz ist dieses Jahr ganz gravierend eingebrochen“, erzählt sie mit trauriger Stimme. Die Menschen halten ihr Geld lieber zusammen, der Kauf von fairen und teuren Produkten wird hinten angestellt. Auch die Stimmung habe sich bei den Kunden verändert. „Sie sind auch nicht so fröhlich wie sonst und viel angespannter“, sagt sie.
Ladensterben in Hamburg: „Mein Laden ist einer von vielen“
Und nun sorgt auch noch die Bank dafür, dass die Sorgen der Ladenchefin größer werden. Im Oktober versäumte Schümann die Zahlung einer Quartalsrate. „Der Oktober war wirklich der schlechteste Monat, den ich jemals hatte“, erzählt sie. Vor einer Woche, so Schümann, wurden ihr unvermittelt von ihrer Bank das Konto und sämtliche Kredite gekündigt. „Ich weiß, dass es mein Versäumnis ist“, sagt sie. Dennoch hätte sie sich von ihrer Bank mehr Kulanz gewünscht. „Ich habe sechs Jahre alles bezahlt. Immer. Einmal zahle ich nicht, und die kündigen mich sofort.“
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Die Kleinladenbesitzerin hofft, dass die Bank vielleicht doch noch einlenkt oder ein anderes Geldinstitut einspringt, sonst droht die Schließung. Damit wäre Schümanns Geschäft ein weiteres, das in diesem Jahr stirbt. Laut NDR rechnet der Handelsverband Nord damit, dass im Jahr 2025 mehr als 100 Läden in Hamburg schließen müssen. Die Gründe sind vielfältig, dazu gehören hohe Mieten, gestiegene Energiekosten und das wachsende Online-Geschäft.
Schümann hofft noch auf einen Aufschrei. Sie sagt: „Mein Geschäft ist eines von vielen, die gerade, fast unbemerkt, aus den Stadtteilen verschwinden.“