Airline-Flucht am Hamburger Flughafen: Damit müssen Passagiere jetzt rechnen
Ein Paukenschlag folgte dem nächsten: In den vergangenen Tagen vermeldeten Ryanair, Eurowings und Condor, ab 2025 ihr Flugangebot in Hamburg deutlich zu reduzieren. Die Airlines stören sich an erhöhten Steuern und Gebühren. Während die CDU bereits den Untergang des Hamburger Wirtschaftsstandorts und einen „Provinzflughafen“ prognostiziert, halten Umweltschützer die Ticket-Preise immer noch für zu billig. Welche Auswirkungen werden Flugreisende langfristig zu spüren bekommen? Ein Hamburger Luftfahrtexperte sieht bei einer Sache „das Ende der Fahnenstange“ erreicht.
Was haben die Airlines für den Hamburger Flughafen angekündigt?
Den Anfang machte die Billig-Airline Ryanair, die in der vergangenen Woche verkündete, das Hamburger Flugangebot ab Sommer 2025 um 60 Prozent zu kürzen. Unter anderem werden die Verbindungen ins spanische Valencia oder schottische Edinburgh gestrichen. Zudem sollen statt 17 nur noch sieben Flüge pro Woche nach Mallorca starten.
Die Lufthansa-Tochter Eurowings will ab Sommer 1000 Flüge aus dem Programm nehmen. Eingestellt wird zum Beispiel die innerdeutsche Route nach Köln. Die Fluggesellschaft Condor streicht 13 Prozent des Angebots, darunter Flüge auf die griechische Insel Samos und ins spanische Málaga.
Womit begründen die Airlines diese Kürzungen?
Für alle Fluggesellschaften sind die Kosten ausschlaggebend. Im Kern stören sie sich an der zum 1. Mai 2024 um 25 Prozent erhöhten Luftverkehrssteuer, sowie den Preissteigerungen bei den Flugsicherungs- und Luftsicherheitsgebühren, die von der Bundesregierung erhoben werden. Dazu kommen die aus Sicht der Airlines hohen Entgelte, die an die jeweiligen Flughäfen gezahlt werden müssen. Eurowings-Chef Jens Bischof sprach von „unverhältnismäßigen Erhöhungen der Entgelte“ am Hamburger Flughafen.
Was steckt hinter den Flughafenentgelten?
Für das Starten, Landen und Abstellen von Flugzeugen erheben Flughäfen sogenannte Entgelte, die behördlich genehmigt werden müssen. Diese sollen in Hamburg ab 2025 um zehn Prozent erhöht werden. Pro Passagier entspreche das einer Kostensteigerung von 2,30 Euro und falle so kaum ins Gewicht, verteidigte Hamburgs Flughafen-Chef Christian Kunsch die Pläne. Zudem machten die Entgelte lediglich vier bis sechs Prozent der Gesamtkosten der Fluggesellschaften aus. Er sieht den Hamburger Airport als „Spielball“ der Airlines, die im Konflikt mit der Bundesregierung „ihre Muskeln spielen lassen“ wollten.
Was bedeuten die Entscheidungen für Flugreisende?
„Die Luftverkehrssteuer trifft die Kalkulation der Airlines direkt, denn sie geben diese Steuer 1:1 an den Passagier weiter“, erklärt der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg auf MOPO-Nachfrage. „Als Verbraucher erleben wir die steigenden Flugpreise seit drei Jahren.“ Allerdings: „Anders als unmittelbar nach der Pandemie, als viele Menschen endlich wieder verreisen konnten und die höheren Preise akzeptiert haben, scheint nun das Ende der Fahnenstange erreicht“, sagt er. Flugreisende wichen auf günstigere Angebote aus oder buchten gar nicht erst. „Wenn jetzt Fluggesellschaften Verbindungen von und nach Deutschland einstellen, führt das zu weniger Wettbewerb, mehr Monopolstrecken und einem insgesamt geringeren Angebot.“ Eventuell müsse man künftig zu einem hunderte Kilometer entfernt liegenden Airport fahren.
Wird der Hamburger Flughafen zum „Provinzflughafen“?
Das befürchtet zumindest der Hamburger CDU-Chef Dennis Thering. Das alles sei ein „Desaster mit Ansage“ gewesen, kritisiert er. Das sei auch ein schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Hamburg und den Tourismus.
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Empörung darüber wiederum beim Hamburger SPD-Chef Dirk Kienscherf. „Daraus einen Abgesang auf den Wirtschaftsstandort zu stricken, bedarf schon viel Fantasie und schlechten Willen“, sagt er. Viele Kosten habe Hamburg gar nicht in der Hand. Dazu machten die aktuellen Flugstreichungen nur ein bis zwei Prozent aller Flüge am Fuhlsbütteler Airport aus. Das betont auch der Flughafen selbst in einem Statement auf Instagram: „Viele der betroffenen Verbindungen werden von anderen Airlines angeboten, sodass ihr weiterhin flexibel reisen könnt.“
Sind die Tickets eigentlich noch viel zu billig?
Ja, wenn es nach Hamburgs Naturschützern geht. „Fliegen belastet die Umwelt besonders stark mit Schadstoffen und Lärm“, heißt es vom Nabu. Der Flugverkehr trage derzeit rund zwölf Prozent zu den Emissionen im Verkehr bei. Auf internationale Flüge muss die Branche trotzdem keine Mehrwertsteuer zahlen, eine Kerosinsteuer gibt es überhaupt nicht. Um letzteres auszugleichen (und um die tiefen Löcher im Bundeshaushalt zu stopfen) hatte die Ampel-Regierung die in der Branche verteufelte Luftverkehrssteuer im Mai erhöht.