„Aggressive Stimmung“: Lage im Hamburger Hafen spitzt sich zu – was jetzt droht
Die Lage spitzt sich zu im Hamburger Hafen: Ausgerechnet jetzt, wo Dutzende Schiffe Schlange stehen und auf Abfertigung warten, drohen Warnstreiks. Vorbereitungen dazu laufen bereits.
„Es brodelt im Hafen. So eine aggressive Stimmung habe ich hier seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt“, erzählt ein Hafenarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.
Flugblatt bereitet die Hafenarbeiter auf Warnstreiks vor
Hintergrund ist die Tarifauseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe, die bisher zu keiner Annäherung geführt hat. Nächste Woche Donnerstag startet die dritte Verhandlungsrunde zu den Löhnen und Gehältern der Hafenarbeiter. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Stundenlöhne um 1,20 Euro sowie einen Inflationsausgleich.
Am Dienstag endete die Friedenspflicht. Vieles deutet darauf hin, dass es in der kommenden Woche nun zu Warnstreiks kommt. Seit Donnerstag kursiert ein Flugblatt der Gewerkschaft Verdi, das die Überschrift „Mehr als kollektives Betteln. Warnstreiks sind zulässig!“ trägt und die Beschäftigten über die Teilnahme an einem Warnstreik informiert.
Lange Wartezeit: 20 Schiffe warten auf Abfertigung im Hamburger Hafen
„Wir rechnen damit, dass am Dienstagmittag ein Warnstreik beginnt“, sagte Hans-Jörg Heims, Sprecher der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) am Freitag.
Für die Terminalkonzerne käme eine Arbeitsniederlegung genau zum falschen Zeitpunkt. Sie stehen aktuell vor einem gewaltigen Abfertigungsstau. Laut dem US-Branchendienst „FreightWaves“ warten derzeit 20 beladene Schiffe in der Deutschen Bucht darauf, in den Hamburger Hafen einlaufen zu dürfen. Die Wartezeit beträgt zum Teil schon 14 Tage und mehr.
Im Hinblick auf die Warnstreiks erklärte der HHLA-Sprecher deshalb: „Das ist verantwortungslos, was die da machen.“ Um dem Problem Herr zu werden, hatte die HHLA ihre Beschäftigten bereits mehrfach aufgefordert, Überstunden zu leisten. Dabei schieben viele Arbeiter schon jetzt bis zu 60 Überstunden vor sich her. Nach MOPO-Informationen hat es allein im ersten Quartal 2022 mehr als 80.000 Überstunden im Konzern gegeben. Viele sind müde.
HHLA baut zusätzliches Containerlager
„Die Hafenarbeiter sind angesäuert“, erklärte ein Verdi-Sprecher. Zu einem möglichen Arbeitskampf wollte er nichts sagen. Klar ist aber, dass die Arbeitsniederlegung für viele eine Möglichkeit wäre, ein Zeichen zu setzen und ihrer Stimmung Luft zu machen.
Die Kapazitäten der Containerterminals sind aber wohl nicht der einzige Grund für den Schiffsstau im Hafen. Auch die Auslastung der Hinterlandverkehre, die für den Weitertransport der Boxen zuständig sind, spielen eine Rolle. Die Lager der Firmen sind voll, weil die Container nicht abgeholt werden. Und das hat wiederum mit der sinkenden Konsumlust der Verbraucher als Folge der hohen Inflation zu tun.
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Die HHLA plant deshalb nun den Bau eines zusätzlichen Containerlagers. Für die Lösung des Problems ist das aber vermutlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Am Mittwoch endete der Lockdown in Shanghai. Es wird damit gerechnet, dass das Ladungsaufkommen dadurch noch weiter ansteigt, wenn die Schiffe erst hier ankommen.