AfD-Schlappe und das Geheimnis des SPD-Erfolgs: Fünf Lehren aus der Hamburg-Wahl

Wahlhelfer sitzen an Tischen mit Briefwahl-Unterlagen
Die Auszählung der Briefwahl beginnt im CCH um 18.00 Uhr.

Lange plätscherte der Wahlkampf in Hamburg vor sich hin – erst auf den letzten Metern wurde es noch richtig spannend. Seit Sonntagabend ist klar: SPD und Grüne regieren die Stadt fünf weitere Jahre – und doch verschieben sich die Kräfteverhältnisse. Was heißt das Ergebnis für die Stadt? Diese fünf Lehren lassen sich aus der Hamburg-Wahl ziehen.

1. Unaufgeregt ist Trumpf

Die Wut der Bürger auf die Regierung ist kein Naturgesetz geworden – die Abwahl nach einer Legislaturperiode auch nicht. Der rot-grüne Senat in Hamburg hat gezeigt, wie man die eigenen Anhänger mit solider Regierungsarbeit bei der Stange hält. Ohne Skandale, Zankereien und gegenseitiges Vorführen auf der politischen Bühne. Peter Tschentscher (SPD) kann in diesen Zeiten getrost als Anti-Populist bezeichnet werden. Und er beweist: Der Politikbetrieb ist auch heute kein Spiel, das „Wer-schreit-am-lautesten“ heißt.

2. Die CDU kann sich freuen – aber ist trotzdem Verlierer

Die CDU wollte den Wechsel – und endlich wieder einen Fuß in die Rathaus-Tür bekommen. Gelungen ist es nicht. Klar, das Team um Spitzenkandidat Dennis Thering hat im Vergleich zur letzten Wahl ordentlich zulegen können. Schaut man auf den Bundestrend, ist das Ergebnis in Hamburg aber doch nur ein mäßiger Erfolg. Der Spitzenkandidat konnte mit schrillen Forderungen wie einer hamburgweiten Waffenverbotszone oder der Halbierung von Parkgebühren sowie eingeübten Phrasen bei den Hamburgern nicht genug punkten, um am Ende mitzuregieren.

3. Hamburg zeigt, wie man Extremisten den Raum nimmt

Die AfD legt zwar auch in Hamburg deutlich zu – im Vergleich zum Bundestrend ist der Zuwachs aber gering. Das Ergebnis zeigt: Die demokratische Mitte lebt – die rechtsextreme AfD konnte an der Elbe bei Weitem nicht an ihren Erfolg auf Bundesebene anknüpfen und schafft es nur auf ein einstelliges Ergebnis. Die etablierten Parteien haben mit einem fairen und inhaltsbezogenen Wahlkampf gezeigt, wie man Extremisten den Raum zum Gedeihen nimmt.

4. Die Grünen können sich freuen

Die Grünen dürfen weiter mitregieren – und können sogar hoffen, ihre vier Ressorts verteidigen zu können. Es ist kein Geheimnis, dass Bürgermeister Peter Tschentscher auf das Verkehrsressort von Anjes Tjarks schielt. Wenn die Grünen im Senat nicht massiv an Macht einbüßen wollen, müssen sie sich hier jetzt durchsetzen. Aber: Sie haben zwar verloren im Vergleich zur letzten Wahl, gleiches gilt aber für die SPD. Das Kräfteverhältnis hat sich – zumindest Stand jetzt – nicht eklatant verschoben.

Das könnte Sie auch interessieren: Gewinner, Verlierer, Koalitionsrechner: Alle Ergebnisse der Hamburg-Wahl

5. Die Linke muss jetzt liefern

Mit den vielen Neulingen in der Bürgerschaft und dem Ausscheiden der erfahrenen Fachpolitiker Norbert Hackbusch und Sabine Boeddinghaus wird das gar nicht so einfach. Und das Team um Heike Sudmann und Cansu Özdemir muss sich überlegen, ob es eigentlich regieren will. Wenn ja, müssen Hamburgs Linke in den kommenden Jahren Anknüpfungspunkte an die Parteien der Mitte finden – die Wahrscheinlichkeit ist nicht so klein, dass nach der nächsten Wahl womöglich nur noch ein Dreierbündnis regieren kann.