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Ärger um Alster-Villa: Schon wieder soll ein Stück Hamburg abgerissen werden!

Villa Fährhausstraße

Die wunderschöne Villa an der Fährhausstraße in Hamburg.

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RUEGA

Uhlenhorst -

Stuck über den Fenstern, schmiedeeiserne Verzierungen und ein nostalgischer Wintergarten mit Sprossenfenstern. Die wunderschöne rosa Villa auf der Uhlenhorst ist ein echter Hingucker. Aber wohl nicht mehr lange, ihr droht das gleiche Schicksal, wie vielen alten Villen: Der Eigentümer will sie abreißen lassen und dort einen monotonen Neubau hinsetzen. Die Nachbarn wollen das nicht hinnehmen und haben jetzt eine Bürgerinitiative gegründet.

Die Fährhausstraße nahe der Alster gehört zu den nobelsten Adressen der Stadt. Auch wenn leider im Laufe vieler Jahre schon etliche historische Häuser gesichtslosen Neubauten weichen mussten. Ausgerechnet eine der noch gut erhaltenen Villen von geschätzt 1888 soll nun auch noch verschwinden. Sie würde zudem aus einem Villen-Ensemble herausgerissen, denn rechts und links stehen auch noch zwei schöne alte Gebäude aus der gleichen Zeit, die nach Entwürfen des gleichen Architekten gebaut wurden.

Villa Fährhausstraße

Kämpfen gegen den Abriss der alten Villa in Uhlenhorst: Dirk-Peter Bonk von der Bürgerinitiative Uhlenhorst, Hans Kraft Architekt und Nachbar und Peter Ahrens (v.l.).

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RUEGA

Eigentümer des Gebäudes ist nicht einmal ein namenloses Immobilien-Konsortium sonstwo auf der Welt. Nein, ausgerechnet ein waschechter Hamburger, der auch noch in dieser Villa geboren und aufgewachsen ist, will das historische Gebäude plattmachen:  Dirk Manthey, der Gründer des Milchstraßen-Verlags. Manthey ist laut der Nachbarn selbst dort aufgewachsen und auch jetzt bewohnt sein Bruder noch eine Wohnung.

Hamburger Eigentümer ist selbst in der Villa aufgewachsen

Doch Manthey, der laut Medienberichten den Großteil des Jahres in Malibu verbringt, hat nun andere Pläne für sein Elternhaus. Wie er den direkten Nachbarn auf Nachfrage mitgeteilt hat, soll dort ein modernes Stadtpalais gebaut werden. Ein gesichts- und geschichtsloser Klotz, wie er derzeit überall in noblen Hamburger Gegenden hochgezogen wird.

Uhlenhorst Neubau Visualisierung

Dieses Stadthaus soll auf dem Grundstück an der Fährhausstraße 22 entstehen.

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hfr

Um den Abriss noch zu verhindern, haben Nachbarn und die Bürgerinitiative Uhlenhorst eine Petition gestartet (www.faehrhaus22.de), mit der sie den „profitgierigen Investoren“ Paroli bieten wollen. „Die alte Uhlenhorst wird immer mehr bebaut“, so die Anwohner. „Altbestand wird abgerissen und Neubauten mit maximaler Geschossfläche entstehen, die den Bauherren ordentlich Profit bringen.“

Antrag beim Hamburger Denkmalschutzamt gestellt

Außerdem haben die Nachbarn Alexander Valentin und Peter Ahrens beim Denkmalschutzamt einen Antrag auf Ensembleschutz für die Villen Fährhausstraße 22, 24 und Herbert-Weichmann-Straße 86 gestellt. Bisher steht die historische Villa offenbar noch nicht unter Denkmalschutz. Peter Ahrens: „Wir sehen uns hier in der Verantwortung für die historischen Häuser in Hamburg.“ Zu viele historische Gebäude würden abgerissen, nur weil der Immobilienmarkt derzeit so boomt.

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Mitstreiter Dirk-Peter Bonk sagt: „Trotz gesetzlichen Milieuschutzes werden traditionelle Villen und hanseatische Gebäude in unserem Stadtteil abgerissen und durch stillose Bauten ersetzt.“ Es dürfe ja gerne neu gebaut werden. „Aber dann stilgerecht, dafür gibt es etwa in der Bellevue Beispiele."

Beim Bezirksamt Nord gibt es bereits einen Bauantrag, aber noch keine Entscheidung. Den erheblichen Widerstand der Nachbarn nehme man ernst, heißt es dort. Dazu Tom Oelrichs, stellvertretender Bezirksamtsleiter: „Die Einwendungen und als erhaltungswürdig beschriebenen Bestandsgebäude werden für uns bei den ausstehenden Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen.“