Abriss abgeblasen: Das passiert jetzt mit dem Karstadtklotz in Eimsbüttel
Grau, trostlos – und trotzdem nicht wegzudenken an der Osterstraße in Eimsbüttel: 2023 wurde die markante Karstadt-Filiale erneut mit Steuermitteln und Lohnverzicht der Mitarbeiter gerettet, im September 2024 tauchten trotzdem mögliche Abriss-Pläne auf. Jetzt steht fest, wie es dort weitergeht und was aus der Idee geworden ist, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen.
Vor knapp einem halben Jahr wurden die Nachbarn des Kaufhauses vom Bezirksamt Eimsbüttel darüber informiert, dass die Eigentümer dort einen siebengeschossigen Neubau errichten wollten. Der Plan: Im Erdgeschoss gäbe es Gewerbe und darüber Wohnungen. Die Anwohner fürchteten Luxuswohnungen oder unbezahlbare Mikroapartments, die in der Stadt an immer mehr Orten aus dem Boden wachsen.
Karstadt Eimsbüttel: Wie es an der Osterstraße weitergeht
Für das Projekt wurde im März 2024 ein Bauvorbescheid beim Bezirksamt Eimsbüttel eingereicht, der laut Sprecher Kay Becker auch inzwischen genehmigt wurde. Erworben hatten das Grundstück plus Gebäude im Jahr 2021 die Baufirmen Otto Wulff, whp und Imvest. Auch die Bezirkspolitiker wurden von den Neubau-Plänen überrascht. „Wir brauchen da Aufklärung“, forderte der SPD-Fraktionsvorsitzende Gabor Gottlieb im September.
In einem Brief an die Politikerinnen und Politiker erklärte die Firma „Siebzehn Immobilien“, die mehrheitlich zu Otto Wulff gehört, die Entscheidung. Das Schriftstück aus dem Oktober wurde im Online-Dienst der Bezirksversammlung anlässlich der Ausschusssitzung am Montag anscheinend aus Versehen veröffentlicht – denn inzwischen ist es dort nicht mehr verfügbar.
Hohe Verluste wegen Insolvenz von Galeria-Karstadt
„Leider haben uns die Insolvenzen der Galeria in den Jahren 2023 und 2024 erhebliche Verluste im sechsstelligen Bereich beschert“, heißt es dort. „Die Insolvenz zu Beginn dieses Jahres (2024, Anm. d. Red.) brachte erneut enorme Unsicherheiten hinsichtlich der Fortführung des Mietverhältnisses mit sich. Für uns war es ungewiss, ob der bestellte Insolvenzverwalter das bestehende Mietverhältnis fortführen würde.“ Daher sah man sich gezwungen, alternative Szenarien für das Grundstück zu entwickeln – und so kam der Plan mit den Wohnungen und Geschäften zustande. Dabei habe es sich aber nicht um Luxuswohnungen gehandelt, heißt es explizit in dem Schreiben.
Erst im April 2024 habe sich der Insolvenzverwalter entschieden, den Standort an der Osterstraße zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich die Eigentümer „im Zuge eines Nachvertrags zum Mietvertrag ganz klar zum Fortbestand des Mietverhältnisses mit Galeria bekannt, da dort die Regelung getroffen wurde, dass der Standort durch Galeria bis mindestens 2030 weiterbetrieben wird. Ergänzend wurde dem Mieter eine Verlängerungsoption bis 2035 gewährt“, steht dort weiter.
Neubau-Pläne für Karstadt-Gebäude vorerst vom Tisch
Heißt übersetzt: Galeria soll an der Osterstraße bleiben, mögliche Abriss-Pläne scheinen vom Tisch. Allerdings halte man es für sinnvoll, aufgrund der „nach wie vor unklaren wirtschaftlichen Situation bei Galeria (…) parallel an langfristigen Entwicklungsoptionen für den Standort zu arbeiten, um auf mögliche Veränderungen (…) vorbereitet zu sein.“ Nachfragen, ob damit die Pläne vom September gemeint sind, kann Otto Wulff Sprecher Erik Schulze allerdings nicht beantworten, da die Firma inzwischen gar nicht mehr Eigentümerin ist.
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An der Osterstraße bleibt also wohl erst einmal alles so, wie es jetzt ist. Den Versuch der Bezirksversammlung, das Gebäude aus den 1970er-Jahren unter Denkmalschutz zu stellen, lehnte die Kulturbehörde allerdings zuletzt ab. „Das Innere ist, wie es typisch für den Bautyp Warenhaus ist, im Laufe der Jahrzehnte stark verändert“, heißt es in der Stellungnahme. Als Beispiel werden Boden, Decken, Rolltreppen, Fahrstühle, Restaurant, Schaufenster und Türen genannt. Die Fassade sei zudem Ende der 80er verändert worden und auch „nicht so außergewöhnlich“, dass es einen separaten Denkmalschutz rechtfertige.