8. Mai als Feiertag? Schüler-Petition bekommt plötzlich Mega-Zulauf

8. Mai ein Feiertag?
Diese Mädchen haben eine Online-Petition ins Leben gerufen, um den 8. Mai als Feiertag zu etablieren: Lara (v.l.), Elisa und Navida (alle 14) von der Esther-Bejarano-Schule

Sie sind erst 14 Jahre alt – und schon auf dem besten Weg in den Bundestag! Drei Schülerinnen der Esther Bejarano Stadtteilschule in Bahrenfeld haben eine Online-Petition zur Einführung eines neuen nationalen Feiertags am 8. Mai gestartet. Im Internet und den sozialen Medien wurden die drei damit zu Shootingstars.

Navida Scott, Lara Camci und Elisa Aneli sitzen im Klassenraum der 8D der Esther Bejarano Stadtteilschule und strahlen. Mehr als 17.000 Unterschriften hat ihre Online-Petition „Der 8. Mai soll ein gesetzlicher Feiertag werden!“ bis Dienstagvormittag schon erzielt. Und es werden minütlich mehr.

Video auf Instagram und TikTok stößt auf Interesse Zehntausender

„Wir hätten nie gedacht, dass wir überhaupt 100 Stimmen zusammenkriegen“, erzählt Elisa. Am ersten Tag hätte es auch gar nicht danach ausgesehen. Bei 46 Stimmen war zunächst Stillstand. Doch kaum hatten die Mädchen ein Video über ihr Anliegen auf Instagram und TikTok geteilt, ging die Sache plötzlich ab. Allein bei TikTok wurde der Clip bereits 50.000 mal gesehen. Und parallel dazu steigen die Unterschriften der Petition bei change.org.

Das mag auch damit zusammenhängen, dass die Schülerinnen sich ein hochsensibles politisches Thema ausgesucht haben: Das Gedenken an das Kriegsende 1945 und die Befreiung vom Nationalsozialismus. „In vielen Ländern ist der 8. Mai ein Feiertag. Nur ausgerechnet in Deutschland nicht“, sagt Elisa. Und: „Wir sind eine neue Generation. Die Zeitzeugen werden immer älter und sterben aus. Aber die Geschichte darf nicht vergessen werden. Das Gedenken muss weitergehen.“

Nicht jeder sieht das genauso. Das mussten die Schülerinnen in den letzten zwei Wochen seit Start ihrer Petition leidvoll erfahren. Bei einer Straßenumfrage, welche die drei Mädchen im Zuge der Projektwoche zur Namensgeberin der Schule, der Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano, durchführten, stellten sie fest, dass viele Menschen mit dem Datum des 8. Mai nicht viel anfangen konnten.

Rassistische Beleidigungen und Hasskommentare: Schülerinnen geraten ins Kreuzfeuer von AfD-Wählern

„Ich denke, ein Feiertag könnte da auch der Aufklärung dienen“, sagt Navida. Noch schlimmer waren für das Mädchen aber die Hasskommentare, die sich unter dem TikTok-Video sammelten. „Es gab rassistische Beleidigungen, in denen einfach behauptet wurde, wir seien nicht Deutsch und hätten deshalb bei dem Thema erst recht die Klappe zu halten“, sagt die 14-jährige Deutsche, deren Eltern ghanaische Wurzeln haben. Geantwortet hätten sie und ihre Freundinnen nicht darauf. Navida zuckt die Achseln. „Ich hab das schon erwartet. Man erlebt ja auch im echten Leben Rassismus. Wenn man sich aufregt, gibt man denen nur das, was sie wollen.“

Die Mädchen berichten, dass sie auch für das Wort „Befreiung“ kritisiert wurden. Einige User hätten stattdessen das Wort „Niederlage“ verwendet und eine solche sei kein Anlass zum Feiern. Dazu seien massenweise blaue Herzen, Erkennungszeichen der AfD-Anhänger, gepostet worden. Klassenlehrer Max von Redecker lacht: „Ohne es zu wollen, haben die Gegner den Mädchen dadurch wahrscheinlich nur noch mehr Reichweite beschert.“

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Das Ziel der Mädchen ist es nun, 30.000 Stimmen zu erreichen. Denn dann können sie ihr Anliegen beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages einreichen. Und auch wenn noch nicht klar ist, ob es jemals so weit kommt: Vor einem eventuellen Auftritt im Plenum haben sie schon ein bisschen Bammel. „Ich wäre bestimmt total nervös“, sagt Navida. „Aber auch ganz schön stolz.”

Denn dann hätten die Mädchen es nicht nur selbst weit gebracht, sondern auch der 2021 in Hamburg verstorbenen Namensgeberin ihrer Schule eine späte Ehre erwiesen. Es war Esther Bejarano, die als Vorsitzende des Auschwitz-Komitees und Ehrenvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) immer wieder gefordert hatte, den 8. Mai zum Feiertag zu machen.