71-Jährige aus Kolonie geschmissen: Der Pipi-Krieg im Kleingarten
Die Gartenkolonie „Fortschritt und Schönheit“ am Rübenkamp besteht in diesem Jahr genau 100 Jahre. „Hilfsbereitschaft und Gemeinwesen werden bei uns großgeschrieben“, heißt es auf der Website. Doch nun schwelt seit Monaten ein heftiger Konflikt zwischen einer ehemaligen Kleingarten-Pächterin, dem Nachbarn und dem Vereinsvorstand. Es geht um geklaute Äpfel, verschütteten Urin, Beleidigungen und Strafanzeigen.
„Der Sündenfall von Barmbek“, so betitelte Ursula Prochnow (71) ihre Mail an die MOPO. Ihr sei Ende 2025 vom Vorstand des Kleingartenvereins gekündigt worden, weil sie vier Äpfel vom Baum ihres Garten-Nachbarn gestohlen hätte. „Ich bin mit Schimpf und Schande rausgeworfen worden“, so die Rentnerin sauer.
Die resolute Dame mit herzhafter Hamburger „Schnauze“ gibt den Apfelklau auch unumwunden zu. Der betroffene Nachbar dagegen spricht in einer Anzeige davon, dass es nicht vier Stück, sondern mal eben 15 Kilogramm Äpfel gewesen seien. „Uschi“ Prochnow dazu: „Hah! Von wegen. So viel trägt doch der ganze Baum nicht.“ Der „Ankläger“ präsentierte bei der Polizei Aufnahmen einer Überwachungskamera.
Prochnow verschüttet eine Flüssigkeit im Nachbargarten
Neun Tage nach dem Apfel-Diebstahl betrat Frau Prochnow erneut das Gelände ihres Nachbarn und verschüttete dort im Wurzelbereich der Kirschbäume eine Flüssigkeit.
Angeblich menschlichen Urin. Auf Nachfrage erklärte uns Uschi Prochnow entschieden: „Nein, das war Pisse!“ Aber warum?
71-Jährige vermutet unerlaubte Aufnahmen von Kleingarten
Sie habe durch die Tat herausfinden wollen, welchen Bildwinkel die Überwachungskamera ihres Nachbarn abdeckt, so die 71-Jährige. Sie vermutete unerlaubte Aufnahmen auch von ihrem Gelände.
Am 8. Januar 2026 erfolgte die außerordentliche fristlose Kündigung des Kleingartens wegen „vorsätzlicher Sachbeschädigung und Störung des Gartenfriedens“. Die „Aufbringung von Eigenurin“ sei eine „unzumutbare Belästigung“. Zudem habe Frau Prochnow gegenüber dem Kleingarten-Vorstand eingeräumt, aus „Rache“ gehandelt zu haben. Im Kündigungsschreiben heißt es: „Vorsätzliche Racheakte zerstören den Frieden in der Kolonie.“
Vereinsvorsitzender spricht von „massiven Vorfällen“
Um Stellungnahme gebeten, sprach der Vereinsvorsitzende von weiteren „massiven Vorfällen“. So sei es zu „antisemitischen und rassistischen Beleidigungen“ gekommen. In einer Anzeige, welche die Polizei am 20. März aufgenommen hatte, heißt es, Frau Prochnow habe ihren Gartennachbarn „Asozialer und Judenfeind“ genannt. Uschi Prochnow dazu: „Ich habe jüdische Wurzeln und hab’ ihn gefragt, ob er ein Judenfeind ist.“
Und so ging es munter weiter. Nix mehr mit Harmonie in der begehrten Kleingarten-Anlage mit 116 Parzellen. Der Vorstand stellte eine „Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses“ fest. Am 26. März hat Frau Prochnow schweren Herzens ihren 450 Quadratmeter großen Kleingarten, in den sie seit 2020 nach eigenen Angaben rund 25.000 Euro gesteckt hat, zurückgegeben. Doch schon droht neuer Ärger um die Frage, wer nun nach der Übergabe wem noch Geld schuldet. Die „Apfeldiebin“ hat den „Landesbund der Gartenfreunde in Hamburg“ angerufen mit der Bitte, den Sachverhalt zu klären.
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Dort ist man um Ausgleich bemüht, und ein Mitarbeiter schrieb vor Kurzem an Frau Prochnow: „Versuchen Sie, so gut es geht, die Ruhe zu bewahren und sich mit schöneren Dingen abzulenken.“