500 Interessenten auf der Warteliste: Hier in Hamburg entsteht ein Haus mit Dachwald
Mitten in der Hafencity wohnen und trotzdem über ein Auto verfügen, frisch gekochtes Essen mit Tomaten aus dem eigenen Gewächshaus serviert bekommen und im eigenen Wald auf dem Dach den Sonnenuntergang genießen. Klingt sehr schön und unerschwinglich. Im Baakenhafen will ein kleines Bauunternehmen diesen Traum bezahlbar erfüllen. Für Käufer und Mieter. Die MOPO ließ sich das Projekt „We-House“ vom Bauherrn und einer zukünftigen Bewohnerin erklären.
Die schlechte Nachricht gleich zu Beginn: Eine eigene Wohnung im „We-House“-Gebäude am Baakenpark ist bezahlbar – aber natürlich nicht für jeden. Es gibt aber auch günstige Mietwohnungen im Gebäude und die Preise sind auch für Käufer durch das Drehen an verschiedenen Stellschrauben erschwinglicher, als in anderen Gebäuden in der Hafencity. Pro Quadratmeter sind etwa 9100 Euro fällig. Im Preis enthalten ist dann allerdings auch die Nutzung der vielen Gemeinschaftsräume, die es den Bewohnern ermöglichen, in kleineren und damit günstigeren Wohnungen zu leben. So haben sich zwei alleinstehende Käuferinnen bereits für 20-Quadratmeter-Wohnungen entschieden.
Rechtsanwältin Ute Ahnert (64) hat viele Jahre in Köln gelebt und zieht nun wieder nach Hamburg. Sie hat sich ein Loft im 3. Stock im „We-House“ gekauft. „Auf der Nordseite zum Baakenpark“, erzählt sie und freut sich schon auf die Hafencity. Auch sie hat sich verkleinert, „bisher hatte ich 100 Quadratmeter für mich, jetzt sind es 66 Quadratmeter.“
„We-House“: Nachhaltigkeit und Gemeinschaft
Begeistert hätten sie vor allem die Aspekte von Nachhaltigkeit und Gemeinschaft, die das Projekt auszeichnen. „Wenn ich einziehe, dann kenne ich eigentlich schon alle anderen Bewohner aus der Kommandit-Gemeinschaft.“ Denn man erwirbt bei dem Projekt keine Eigentumswohnung, sondern zeichnet mit dem Geld Anteile als Kommanditist am Unternehmen „We-House“, das das Haus baut und instand hält. Seine ganz spezielle eigene Wohnung hat dort trotzdem jeder. Ähnlich dem Genossenschaftsmodell.
Von den 54 Wohnungen im Haus gehören 32 Wohnungen solchen Kommanditisten. 22 weitere werden mit Fördergeldern gebaut und zu günstigen Mieten angeboten. Hansen-Schütz: „Wir haben dafür bereits eine Liste mit 500 Interessierten.“ Da das Gebäude erst 2026 fertiggestellt wird, sind noch keine Mietverträge geschlossen worden. Los geht es erst dieses Jahr im August und mieten kann, wer Anrecht auf eine Wohnung im geförderten Wohnungsbau hat.
Baakenhafen: 22 geförderte Mietwohnungen im „We-House“
Zu den gemeinsamen Flächen gehört etwa der Dachwald, den alle Eigentümer und Mieter gemeinsam nutzen werden. Geplant ist auch eine gemeinsame Werkstatt, so dass niemand groß eigenes Werkzeug braucht und eben auch keine Flächen zum werkeln in seiner Wohnung. Das gleiche gilt für Waschmaschinen, die im gemeinsamen Waschcenter stehen. Auf ein eigenes Auto kann verzichtet werden, weil in der Tiefgarage gemeinsame Fahrzeuge über ein Car-Sharing-Modell gebucht werden können. „Und niemand muss in seiner Wohnung ein Zimmer für Besucher freihalten“, sagt Projektleiter Yannik Hansen-Schütz (31), „denn es gibt ein Gäste-Apartment, das die Bewohner dafür mieten können.“
Das könnte Sie auch interessieren: Idyllische Lage in Hamburg: Doch jetzt reißt die SAGA Sigrid Sachaus Haus ab
Hansen-Schütz ist der Sohn des Gründers der Archy Nova Projektentwicklung aus Stuttgart, dem Bauunternehmen, das das Gebäude entwickelt hat und realisiert. „So, wie es jetzt am Wohnungsmarkt läuft, kann es nicht weitergehen“, ist er überzeugt. Bisher wohnt in Deutschland jeder auf durchschnittlich 70 Quadratmetern – „20 bis 30 Quadratmeter pro Person würden doch auch reichen“, ist er überzeugt. Das würde den ökologischen Fußabdruck von Bauprojekten senken und macht die Wohnungen günstiger.
Ein Clou des Wohnprojektes ist auf dem Dach. Während die Bewohner im Dachwald ihre Ruhe haben, können vom großen Gewächshaus auf dem Dach auch Besucher profitieren. Denn es gehört zu einer Gastronomie im Gebäude. Dort kommen Gemüse, Kräuter und Obst, die im „We-House“ wachsen, auf den Teller. Gäste sind willkommen. Und wer wird es betreiben? Hansen-Schütz: „Das wird ein Kooperationsprojekt. Mit wem, das wird noch nicht verraten.“