430 Wohnungen werden nicht gebaut – weil Behörde überlastet ist
Die Pläne für ein großes Neubaugebiet im Hamburger Süden sind geplatzt: Auf einem Gelände in Finkenwerder sollten eigentlich 430 Wohnungen entstehen – seit 2009 liegen die Pläne dafür vor. Zwischenzeitlich klagten sogar Anwohner dagegen, am Ende gab es einen Vergleich. Doch jetzt gibt das Bezirksamt überraschend bekannt, dass eine Umsetzung der Pläne „derzeit nicht absehbar“ ist.
Die 430 Wohnungen sollten auf einer etwa 56 Hektar großen Fläche zwischen dem Finkenwerder Norderdeich und dem Finkenwerder Landscheideweg sowie östlich des Norderkirchenwegs entstehen. Bekannt ist das Projekt auch unter dem Namen „Finkenwerder 32” – angedacht bereits in den 1990er Jahren. Seit 2009 ist das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen, doch wie eh und je wachsen auf der Fläche Obstbäume.
Jetzt teilte das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte mit, dass ein für den Bau notwendiger wasserrechtlicher Planfeststellungsbeschluss wieder aufgehoben wird, weil darin Fehler stecken. Mit einem solchen Beschluss werden Art und Umgang von Ausbaumaßnahmen von Gewässern bestimmt, um zum Beispiel das anfallende Regenwasser gut ableiten zu können.
Finkenwerder: Keine Kapazitäten für Neubaugebiet
Nach einer erneuten Prüfung wurde klar: Flächen, die dem Hochwasserschutz dienen, bräuchten eine zusätzliche Auftriebsicherung, damit bei Hochwasser nicht die Erde aufbricht und Schäden an Bauwerken entstehen oder Schadstoffe ins Oberflächenwasser gelangen. „Hierzu müsste auf einer Fläche von 51.400 Quadratmeter Klei entnommen und Schotter mit der Wirkung einer bewerten Betondecke eingebaut werden“, schreibt der Bezirk. Außerdem seien nachträglich auch noch Regenwasserleitungen in dem Gebiet gefunden worden.
Für ein neues Planfeststellungsverfahren fehlen der zuständigen Wasserbehörde allerdings die Kapazitäten. Die Behörde sei derzeit mit der Umsetzung von Verfahren für Flächen mit deutlich mehr Neubauten an anderer Stelle wie etwa in Wilhelmsburg beschäftigt. „Eine Umsetzung des Bebauungsplans Finkenwerder 32 ist daher derzeit nicht absehbar“, so der Bezirk weiter.
Neubauprojekt lag schon einmal auf Eis
Das Projekt steht schon länger unter keinem guten Stern. Bereits kurz nach der Feststellung des Bebauungsplans war es auf Eis gelegt worden: Anlieger hatten ein sogenanntes Normkontrollverfahren vor dem Hamburger Oberverwaltungsgericht angestrebt, um den Bebauungsplan auf seine Rechtmäßigkeit zu überprüfen. Erst fünf Jahre später einigte man sich auf einen Vergleich.
Trotzdem musste die Stadt nachbessern, da inzwischen neue umweltrechtliche Bestimmungen galten. Sieben Jahre später stand dann der Planfeststellungsbeschluss. Doch erneut folgten Klagen.
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„Dieser B-Plan ist nicht auf Sand gebaut, sondern geht im Wasser unter. Weshalb bei diesen jahrzehntelangen Planungen nicht früher aufgrund der immer wieder auftauchenden Probleme die Reißleine gezogen wird, erschließt sich nicht“, kritisiert Heike Sudmann, Bauexpertin und Co-Fraktionschefin der Linken in der Bürgerschaft.