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"Boutique Bizarre": Touristen-Alarm im Sex-Shop

Die „Boutique Bizarre“ auf der Reeperbahn ist der größte Sex-Shop Europas. Sie ist 365 Tage im Jahr ab 10 Uhr geöffnet.

Die „Boutique Bizarre“ auf der Reeperbahn ist der größte Sex-Shop Europas. Sie ist 365 Tage im Jahr ab 10 Uhr geöffnet.

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Marius Röer

Drei Azubis aus Bielefeld betrachten in der Pornoecke ein Cover und schreien: „Ihh, was ist das denn?!“. Eine australische PR-Frau beißt kichernd in einen Schokoladen-Penis und macht Fotos für Facebook. Und in der SM-Abteilung schmeißt ein Verkäufer einen besoffenen Junggesellen aus dem Münsterland raus. Willkommen in Europas größtem Sex-Shop, wo jeden Samstagabend die Touristen durchdrehen.

Dildos, Pornos, Vibratoren. Die „Boutique Bizarre“ an der Reeperbahn ist Hamburgs größtes Fachgeschäft für alles, was unter der Gürtellinie ist. Und weil für Touristen ein Besuch im Sex-Shop dazugehört, platzt der edel gestylte Laden am Wochenende aus allen Nähten. Angeschickerte Kegelschwestern giggeln sich durch das Geschäft, Männer mit Bier und Testosteron intus sowie Reisegruppen aus der Provinz. Zwischendrin milde lächelnde Verkäufer, die versuchen, die Fassung zu bewahren.

Je später der Abend, desto wilder die Kunden. Um kurz nach 23 Uhr ist es eine Junggesellentruppe aus dem Münsterland, die durchdreht. Promillebeflügelt grabbeln die Männer an SM-Klamotten, Masken und Folterinstrumenten herum. Einer schnappt sich eine Peitsche und lässt sie in der Luft knallen, angefeuert von den Kumpels. Verkäufer Luke (40), gekleidet in Hotpans und winzigem Ledertop, eilt mit strengem Blick herbei. „Du bist hier wohl überfordert“, sagt er und schmeißt ihn raus. Die anderen Typen grinsen und legen für ein Gummi-Outfit zusammen, das der Bräutigam für den Rest der Nacht tragen muss.

Um Mitternacht herrscht in dem Laden ein Gedränge und Geschiebe wie sonst nur auf dem Dom. Viele Touristen kommen nicht, um zu kaufen. Sondern um zu staunen, was unten und obenherum so alles möglich ist. „Och nee, wat is dat denn?“, stöhnt Gerüstbauer Stephan Niemann (47) aus Brunsbüttel und zupft an einem lila Lack-Anzug. Laura Price (26) aus Australien und ihre Freundin Joyce Bock (27) aus Chile machen bei den Schoko-Penissen reichlich Halligalli. Sie fuchteln mit den Lollis herum und machen Fotos mit ihren Handys. Und die Niederländer Randy Brouwer (24) und Jimmy van Hout (24) stehen feixend vor den Masken. „Total extrem, diese Dinger“, kichern sie.

Kichernde Glotzer, das finden die Verkäufer überhaupt nicht komisch. „Unsere Kunden sollen hier in Ruhe einkaufen und nicht von anderen ausgelacht werden“, sagt Luke. Seit acht Jahren arbeitet er hier und hat schon einiges erlebt. Leute, die sich zum Spaß an Handschellen gekettet haben und nicht wieder loskamen. Fummelnde Pärchen in der Umkleide. Männer, die mit ihren Jungs Sprüche reißen und am nächsten Morgen allein wieder auf der Matte stehen. Um genau das zu kaufen, worüber sie am Abend noch gelästert hatten.

Und dann kommen noch Bestatter Bernd (44) und seine Freundin Sabine (38, Namen geändert) aus Lüneburg. Sie stehen auf SM und suchen eine Spreizstange für die Beine. „Wichtig ist, immer auf Qualität zu achten. Sonst gibt es Verletzungen“, sagt Bernd und befühlt prüfend das Material. Ernsthafte Kunden! Luke und seine Kollegen freuen sich.