Ein Gemälde von Admiral Pierre de Villeneuve

Ein Gemälde von Admiral Pierre de Villeneuve Foto: Ankerherz

Wie ich im Bett eines französischen Admirals landete

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Ich meide auf Reisen große Hotelketten und suche stattdessen immer kleine Unterkünfte aus, am liebsten jene, die etwas über ihre Stadt oder ihre Region erzählen. Als ich auf einer Buchungsplattform einen alten Pub in Hampshire entdeckte, in einem sehr alten Marktstädtchen namens Bishop’s Waltham, war klar: Treffer! Viel besser als ein Großhotel im nahen Southampton, wo tags darauf unser Schiff Richtung Hamburg ablegte.

Was ich nicht wusste, stand zu meiner Begeisterung auf einer blauen Plakette an der Hauswand des „The Crown Inn“: Admiral Pierre de Villeneuve war hier nach der Seeschlacht von Trafalgar im Oktober 1805 interniert. Knapp 200 französische Offiziere lebten im Ort, ihr Befehlshaber residierte in diesem Gasthaus. Villeneuve hatte das vielleicht wichtigste Seegefecht der Geschichte gegen den Briten Horatio Nelson verloren – trotz einer Überzahl an Schiffen, Kanonen und Soldaten.

Ich sah mir die Uniform von Nelson aus Trafalgar an

Nun muss ich zugeben, dass ich ein wenig „nerdig“ bin, was historische maritime Dinge betrifft. Einmal flog ich nach London, nur um mir die Uniform Nelsons aus Trafalgar anzusehen – Original mit Einschussloch –, die in den Royal Museums Greenwich ausgestellt ist. Erkenntnis: Der britische Nationalheld war ungefähr so groß wie ein Pint.


Stefan Kruecken hfr
Stefan Krücken

Der Autor: Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag (www.ankerherz.de). Vorher war er Polizeireporter für die „Chicago Tribune“, arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie „Max“, „Stern“ und „GQ“ von Uganda bis Grönland. Sein neues Buch „Das muss das Boot abkönnen“ gibt es im MOPO-Shop unter mopo.de/shop. Weitere Bücher gibt es im Ankerherz-Shop – zum Beispiel „Das kleine Buch vom Meer – Helden“ oder „Mayday – Seenotretter über ihre dramatischsten Einsätze“.

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Spannend war, dass wir in Bishop’s Waltham „Room No. 1“ bekamen, an dessen Tür „Villeneuve“ stand. Ich musste mich tief bücken, um hineinzukommen. Der Plankenboden des Zimmers ist so schief, dass man sich leicht seekrank fühlt, die Wände wurden mit edlem Holz vertäfelt und sind mit Ölgemälden von Seegefechten und einem Porträt des prominenten Ex-Bewohners verziert.

Das gemütliche „The Crown Inn“ von innen Ankerherz
Blick ins Innere des Hotels
Das gemütliche „The Crown Inn“ von innen

Ob Admiral Villeneuve im alten Himmelbett übernachtete? Ich fragte im Pub nach, doch man ließ die Frage natürlich offen. Kopfkino nach dem Pint Ale.

Im Himmelbett des Admirals träumte ich seltsame Sachen

Was ich erfuhr: Villeneuve soll auf eigenen Wunsch die Trauerfeier seines Rivalen Nelson in London besucht haben. 1806 kehrte er im Austausch für drei Kapitäne nach Frankreich zurück und wollte wieder in der Marine dienen, wurde aber abgelehnt. Am 22. April fand man ihn tot in einem Hotelzimmer in Rennes; angeblich soll er sich mit mehreren Messerstichen selbst getötet haben. In britischen Zeitungen hingegen wurde spekuliert, dass ihn Napoleon als Rache für die Niederlage in Trafalgar ermorden ließ.

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In dieser Nacht im Himmelbett des Admirals schlief ich tief und träumte seltsame Sachen. Von Seegefechten in bunten Kostümen und einem aufgeblähten Präsidenten mit einem orangefarbenen Gesicht, der seine Armada losschickte, um die Insel Grönland zu erobern. Einfach so, weil er dachte, dass er es konnte.

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