Von den Sommerferien und den Gefahren der See

Bild des Kreuzfahrtschiffs „Stena Spirit“.
Ein sieben Jahre altes Kind fällt über Bord der „Stena Spirit“. Die Mutter springt sofort hinterher.

Selten bot eine Woche so viele mögliche Themen für meine Kolumne vom Meer. Die seltsame Einbruchsserie im Hamburger Hafen zum Beispiel. Kriminelle suchen auf dem Terminal Altenwerder offenbar nach Drogen – oder haben sie etwas ganz anderes vor? Mehr als 40 Männer wurden schon verhaftet, alle stammen aus den Niederlanden.

In der Karibik stürzt eine Passagierin beim Versuch, ein Foto von sich zu machen, über die Reling eines Kreuzfahrtschiffes. Weil Kapitän und Crew so schnell reagieren und der Schutzengel hochmotiviert ist, überlebt sie das Selfie. Wenn man drüber nachdenkt: Einen dämlicheren Tod dürfte es kaum geben.

Stefan Krücken
Stefan Kruecken

Der Autor: Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag (www.ankerherz.de). Vorher war er Polizeireporter für die „Chicago Tribune“, arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie „Max“, „Stern“ und „GQ“ von Uganda bis Grönland. Sein neues Buch „Das muss das Boot abkönnen“ gibt es im MOPO-Shop unter mopo.de/shop. Weitere Bücher gibt es im Ankerherz-Shop – zum Beispiel „Das kleine Buch vom Meer – Helden“ oder „Mayday – Seenotretter über ihre dramatischsten Einsätze“.

Alle aktuellen Folgen dieser Kolumne finden Sie hier.

Und dann gibt es eine Serie tragischer Unglücke oder Beinahe-Unglücke an den norddeutschen Küsten von Nordsee und Ostsee. Wie jedes Jahr, wenn die Sommerferien beginnen, denn leider unterschätzen manche die Gefahren des Meeres egal, wie oft davor gewarnt wird. Wenn die Kurtaxe bezahlt ist, kann doch nichts mehr schiefgehen.

Gefahren des Meeres werden oft unterschätzt

Die Seenotretter holen eine Gruppe Wanderer aus dem Watt vor der Insel Spiekeroog. Mehr als zwei Seemeilen vor der Küste kommen die Urlauber an einem Priel nicht weiter – und die Flut läuft auf. Hätte ihr Handy keinen Empfang oder keine Akku-Leistung mehr gehabt, dann stünde hier ein Nachruf auf drei Erwachsene, ein sechsjähriges Kind und einen Hund.

In Warnemünde ertrinkt ein 30 Jahre alter Schwimmer, während seine Familie am Strand auf ihn wartet. Trotz Roter Flagge ist er baden gegangen. Rote Flagge weht für: Achtung, Lebensgefahr.

Von Rettern in der See: Welche Gefahren im Wasser lauern wird oft vergessen

In Großenbrode (Schleswig-Holstein) rettet ein zwölf Jahre alter Junge seinem Vater das Leben. Der Urlauber aus dem Sauerland geht bewusstlos unter. Der Kleine eilt zur Hilfe, hält den Kopf über Wasser und ruft um Hilfe, bis Retter eintreffen. Am Strand holen sie ihn zurück ins Leben. Ein Sprecher der DLRG meint, kaum ein Erwachsener hätte hinbekommen, was der kleine Junge leistete.

Die traurigste Geschichte spielt auf einer Ostseefähre auf dem Weg von Polen nach Schweden. Ein sieben Jahre altes Kind fällt über Bord der „Stena Spirit“. Die Mutter springt sofort hinterher. Ein Impuls vermutlich. Ich habe vier Kinder und stelle mir den Moment so unendlich schrecklich vor. Wie würde ich reagieren? Vermutlich springen, den Versuch riskieren, denn ansonsten wäre das Leben auf eine Art vorbei.

Das könnte Sie auch interessieren: Neuer Foodtrend in Hamburg: Nach Pizza und Pinsa kommt …

Eine Stunde später gelingt es Rettungsteams, beide Körper aus der See zu ziehen und sie ins Krankenhaus zu fliegen. Gibt es ein Wunder? Während ich die Kolumne schreibe, verbreiten schwedische Agenturen die Nachricht: Beide sind tot.

Selten bot eine Woche so viele mögliche Themen für meine Kolumne vom Meer. Die seltsame Einbruchsserie im Hamburger Hafen zum Beispiel. Kriminelle suchen auf dem Terminal Altenwerder offenbar nach Drogen – oder haben sie etwas ganz anderes vor? Mehr als 40 Männer wurden schon verhaftet, alle stammen aus den Niederlanden.