Kapitänin Inger Klein Thorhauge

Inger Klein Thorhauge (r.) hier mit Katie McAlister von der Luxus-Kreuzfahrt-Linie Cunard, ist Kapitänin der „Queen Anne” Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jesus Aranguren

Eine Kapitänin – und am Nachbartisch saßen die Frauenfeinde

kommentar icon
arrow down

Das große Schiff war klar zum Auslaufen, der Motor brummte schon, und aus dem Fenster sah ich, dass sich Festmacher auf dem Kai des Ocean Terminals bereithielten, die Leinen loszuwerfen. Von Southampton nach Hamburg sollte unsere kurze Seereise gehen, eine Auszeit auf der Nordsee an Bord der „Queen Anne“ von Cunard.

Meine Frau Julia und ich saßen auf plüschigen Sesseln in einer Bar. Am Nebentisch unterhielten sich drei ältere Ehepaare auf Englisch. Der Kellner brachte Tee und Sandwiches, und wir fühlten uns nun tatsächlich bereit zum Ablegen. Über die Lautsprecheranlage meldete sich die Brücke.

„Hier spricht Ihr Kapitän, Inger Klein Thorauge, ich begrüße Sie an Bord“, sagte die Kapitänin. Sie begann, Informationen zu Seewetter, Reiseroute und zum Auslaufmanöver aus dem Solent vorzutragen. Am Nebentisch aber gab es nur noch ein Thema.


Stefan Kruecken hfr
Stefan Krücken

Der Autor: Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag (www.ankerherz.de). Vorher war er Polizeireporter für die „Chicago Tribune“, arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie „Max“, „Stern“ und „GQ“ von Uganda bis Grönland. Sein neues Buch „Das muss das Boot abkönnen“ gibt es im MOPO-Shop unter mopo.de/shop. Weitere Bücher gibt es im Ankerherz-Shop – zum Beispiel „Das kleine Buch vom Meer – Helden“ oder „Mayday – Seenotretter über ihre dramatischsten Einsätze“.

Alle aktuellen Folgen dieser Kolumne finden Sie hier.


„Oh nein, das ist eine Frau!“, rief einer der gesetzten Herren. „Um Himmels willen! Eine Kapitänin!“ Er bekreuzigte sich theatralisch, warf einen Blick an die Bardecke, seufzte immer wieder „Oh dear“ und, als wäre der Auftritt noch nicht peinlich genug, sah er sich verschwörerisch um. Am Tisch widersprach ihm niemand, die anderen Paare nickten, sie schienen einer Meinung. Auch die Frauen.

Als sich unsere Blicke trafen und er mir zuzwinkerte, bemühte ich mich, ihn anzusehen wie eine Schabe. Ich überlegte, etwas zu entgegnen, doch manche Probleme erledigen sich ohnehin von selbst. Sogar die konservative Welt der Seefahrt ist längst dabei, sich zu verändern.

Vorurteile und Macho-Bemerkungen – das erleben Kapitäninnen

Inger Klein Thorauge, die Seefrau, derentwegen Mr. Frauenfeind Stoßgebete gen Himmel sandte, stammt von den Färöern, einem Archipel im Nordatlantik. Sie fährt seit ihrem 16. Lebensjahr zur See, machte 1994 ihr Patent und wurde 2010 Kapitänin der „Queen Victoria“, als erste Frau auf einem großen Kreuzfahrtschiff. Sie war Kapitänin der „Queen Elisabeth“ und entwickelte den Bau der „Queen Anne“ mit. Vermutlich gibt es kaum einen kompetenteren Menschen auf den Meeren.

Immer mehr Kapitäninnen steuern Schiffe, vor allem in der Kreuzfahrtbranche. In Diensten von Cunard, TuiCruises oder P&O. Eine der ersten deutschen Kapitäninnen war Nicole Langosch (Aida). Sie erzählte mir von Vorurteilen, die ihr entgegengebracht wurden, über Macho-Bemerkungen, bei denen sie entschied, wegzuhören. 

„Die allermeisten Menschen sind inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen, und über etwas anderes mache ich mir auch keine Gedanken“, meinte sie.

Das könnte Sie auch interessieren: Gigantisches Containerschiff in Hamburg angekommen

Im Aberglauben früherer Zeiten hatten Frauen nichts an Bord zu suchen, weil die Matrosen Angst hatten. Sie glaubten, dass Frauen Unglück anlockten. Frauenfeindlichkeit – es war einfach schon immer lächerlich.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test