Flottenchefin Silke Lehmköster von Hapag-Lloyd

Flottenchefin Silke Lehmköster von Hapag-Lloyd – derzeit sind ihre Schiffe rund um die Straße von Hormus ohne Schutz von Kriegsschiffen unterwegs. Foto: hfr

Noch Proviant für drei Wochen auf Hamburger Schiffen

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Die Welt schaut auf eine Meerenge, die an der schmalsten Stelle nur knapp 20 Seemeilen misst, wobei große Frachter sogar nur eine Fahrrinne von weniger als zwei Seemeilen befahren können. Seit das Mullah-Regime des Iran damit droht, jedes Schiff während der Passage in Brand zu schießen, sitzen mehr als 200 Frachter im Persischen Golf in der Falle. Darunter mehrere der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd.

Während ich diese Kolumne schreibe, berichten Agenturen von einem brennenden Schiff und weiteren Angriffen. Von versenkten iranischen Minenlegern. Von Trumps absurder Aufforderung an Seeleute, die Route zu benutzen, obwohl sie von der eigenen Navy als so gefährlich eingestuft wird, dass derzeit kein Kriegsschiff eskortieren kann.

Ich habe Kapitänin Silke Lehmköster (39) angerufen, Flottenchefin von Deutschlands größter Reederei und Leiterin des Krisenstabs, den der Konzern eingerichtet hat. Sie steht im engen Kontakt mit den Kapitänen vor Ort.

Die Iraner stören das GPS-Signal

Also, Frau Kapitänin, wie ist die Stimmung auf See?

„Trotz der diffusen Angst gefasst und professionell“, sagt sie. Es gehe darum, die Crews beschäftigt zu halten. Auf die Decks dürfen die Seeleute nicht, aus Angst vor Explosionen. Auf jedem Schiff gibt es immer etwas zu tun: Entrosten, Malen, Pflege der Laderäume, Arbeiten im Maschinenraum.

Die Navigationsoffiziere sind angehalten, die Kenntnis der „guten, alten Mittel“ aufzufrischen. Warum? Die Iraner stören das GPS-Signal. Sollte die Straße von Hormus wieder befahrbar sein, stehen die Kapitäne vor der nächsten Herausforderung: viele Schiffe, wenig Fahrwasser, große Nervosität.


Stefan Kruecken hfr
Stefan Krücken

Der Autor: Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag (www.ankerherz.de). Vorher war er Polizeireporter für die „Chicago Tribune“, arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie „Max“, „Stern“ und „GQ“ von Uganda bis Grönland. Sein neues Buch „Das muss das Boot abkönnen“ gibt es im MOPO-Shop unter mopo.de/shop. Weitere Bücher gibt es im Ankerherz-Shop – zum Beispiel „Das kleine Buch vom Meer – Helden“ oder „Mayday – Seenotretter über ihre dramatischsten Einsätze“.

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Doch wann wird es so weit sein? Dauert die Blockade noch Tage? Wochen? Oder länger? Es ist eines der letzten Druckmittel, die dem Regime in Teheran noch blieben. Eine Blockade des globalen Ölhandels – und Drohnenangriffe auf die Wasserversorgung der Nachbarländer. Also auf wichtige Meerwasser-Entsalzungsanlagen, beispielsweise in Kuwait oder den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Wasser könnte bald zur operativen Kriegswaffe werden, ein Verbrechen, auch im Krieg. Eine Art „Hydro-Terrorismus“, der das Leben von Millionen Menschen in der Region bedroht. Aber würde man es einem Regime, das Zehntausende junge Menschen auf den Straßen massakrieren ließ, nicht zutrauen?

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Treibstoff, Wasser und Proviant der Frachter von Hapag-Lloyd reichen „ohne Problem“ noch für knapp drei Wochen, erzählt mir Kapitänin Lehmköster. Bereits jetzt sucht man am Ballindamm, dem Sitz des Unternehmens, nach Lösungen, wenn die Vorräte knapp werden. Planen in einer Lage, in der Planungen kaum möglich sind.

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