Rotfuchs

Ein Rotfuchs (Symbolbild) Foto: picture alliance / Caro | Sorge

Endlich mal sympathische Fox News

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Vielleicht liegt es am täglichen Bombardement der Nachrichten von Krieg, Tod und Zerstörung, dass die Meldung eines Seefuchses vielen Menschen in Großbritannien und im Rest der Welt so gut gefällt. Sie liest sich wie eine Fabel, wie ein Kinderbuch, doch sie ist wahr.

Die Geschichte vom kleinen Rotfuchs, der aufbrach in die große Welt, beginnt in einem Terminal von Southampton, dem Hafen an der englischen Südküste. Wie das Tier an den Kontrollen vorbeihuschen konnte? Erstaunlich. In der modernen Seefahrt sind Häfen Hochsicherheitszonen, abgeschirmt mit Zäunen, stacheligem Draht und Kameraüberwachung.

Blinde Passagiere, „Stowaways“, die einst als romantische Figuren zur Seefahrt gehörten, gibt es in modernen Häfen schon lange nicht mehr. Dass Tiere unerlaubt mitreisen, passiert noch. Manchmal.

Ein Stinktier auf dem Containerfrachter in Bremerhaven

In Bremerhaven wurde im November ein Stinktier auf einem Containerfrachter aus den USA entdeckt. Eine indische Kobra lief im Dezember 2015 an Bord der „Maersk Sana“ in den südafrikanischen Hafen Port Elizabeth ein. Ein Opossum aus Kalifornien und eine Würgeschlange vom Typ „Boa constrictor“ steuerten Hawaii an.

Bei meiner Recherche nach tierischen Mitreisenden stieß ich außerdem auf einen Gecko in Auckland (Neuseeland) und eine „Banded Racer“, die im englischen Hastings für Aufregung sorgte. Noch nie gehört? Ich vorher auch nicht. Es handelt sich um eine Schlangenart, die ungiftig ist, aber einer Kobra ähnelt.


Stefan Kruecken hfr
Stefan Krücken

Der Autor: Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag (www.ankerherz.de). Vorher war er Polizeireporter für die „Chicago Tribune“, arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie „Max“, „Stern“ und „GQ“ von Uganda bis Grönland. Sein neues Buch „Das muss das Boot abkönnen“ gibt es im MOPO-Shop unter mopo.de/shop. Weitere Bücher gibt es im Ankerherz-Shop – zum Beispiel „Das kleine Buch vom Meer – Helden“ oder „Mayday – Seenotretter über ihre dramatischsten Einsätze“.

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Von einem Seefuchs war bislang noch nichts bekannt, doch der legte an Bord des Autofrachters in England ab. Knapp zwei Wochen dauerte die Reise nach Westen, quer über den Atlantik, 3100 Seemeilen weit, das sind umgerechnet 5800 Kilometer. Wie das Wildtier Wasser und Nahrung fand? Noch so ein Rätsel.

Zollbeamte entdeckten den illegalen Einwanderer beim Entladen der Autos in New York. Sie übergaben ihn an den Zoo der Bronx, wo er nun mit zusätzlichen Proteinen aufgepäppelt wird. Eine Sprecherin des Zoos gab an, der fünf Kilo schwere Fuchs wirke mitgenommen, sei aber ansonsten wohlauf.

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Sobald er wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist, soll entschieden werden, welches langfristige Zuhause er bekommt. Happy End. Die einzigen Fox News, die ich sympathisch finde. Der Namenslose ist damit der berühmteste „Seefuchs“ seit Hollywood-Haudrauf John Wayne, der 1955 den deutschen Kapitän Karl Ehrlich spielte.

Wie es sich für eine englische Fabel gehört, muss jemand noch einen humorigen Spruch beisteuern. Ein Sprecher des Hafens von Southampton gab an, man sei „überrascht von der Atlantiküberquerung“ und schlage vor, ein anderes Schiff zu nutzen, das regelmäßig am Ocean Terminal Richtung USA ablegt: die „Queen Mary 2“.

Der Komfort sei deutlich besser.

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