Bei den CDU-Ergebnissen jubelten sie noch. Doch als dann die absolute Mehrheit für die SPD verkündet wurde, entglitten vielen GALiern bei der Wahlparty im Ballsaal des St. Pauli-Stadions die Gesichtszüge. Niemand würde sie zum Tanz bitten, die SPD regiert allein. Frust statt Freude.
Denn Hajduk, Goetsch und Co. hatten sich insgeheim längst wieder auf ihren alten Senatorenposten gesehen. War das Aufkündigen der Koalition also doch keine so gute Idee gewesen? „Doch, das musste sein“, betonte Spitzenkandidatin Anja Hajduk. „Der CDU fehlt jede Stabilität, das zeigt ja auch ihr Absturz auf 21 Prozent.“
GAL-Spitzenkandidatin Anja Hajduk hat „gemischte Gefühle“ zum Ergebnis der Bürgerschaftswahl. „Gewisse Zugewinne sind da, das freut einen (...). Aber eben auch die Situation, dass möglicherweise die SPD die absolute Mehrheit hat“, sagte Hajduk nach der Prognose in der ARD. Dass es in Hamburg eine Wechselstimmung gegeben habe, „das war sehr spürbar“. Die Grünen - in Hamburg GAL genannt - würden aber schon gerne die Zukunft der Stadt mitgestalten, sagte Hajduk. „Es ist ein ganz ordentliches Ergebnis, bei dem die Bäume aber auch nicht in den Himmel wachsen.“
Grünen-Chefin, Katharina Fegebank, hatte sich nach der ersten Prognose zur Bürgerschaftswahl „verhalten vorsichtig“ gezeigt. „Das neue Wahlrecht birgt sicher noch die eine oder andere Überraschung“, sagte die GAL-Vorsitzende im NDR Fernsehen. „Unser Wahlziel war es zum einen zuzulegen, zum anderen wollten wir die Stadt der SPD nicht allein überlassen - und da ist natürlich auch das letzte Wort noch gar nicht gesprochen.“
Nach Ansicht von Grünen Parteichef Cem Özedemir haben die Hamburger bei der Bürgerschaftswahl für klare Verhältnisse gesorgt. „Wenn die CDU über 20 Prozent verliert, das verändert die Kräfteverhältnisse hier auf eine radikale Art und Weise“, sagte er am Sonntagabend im ZDF und gratulierte der SPD für ihren Erfolg. „Wir haben zugelegt aus einer schwierigen Situation, wo der ehemalige Koalitionsparter dramatisch verloren hat“, beurteilte er die Leistung der eigenen Partei. „Die Hamburgerinnen und Hamburger wollten offensichtlich klare Verhältnisse und haben deshalb SPD gewählt“
Nach Einschätzung von Parteichefin Claudia Roth können die Grünen jetzt mit viel Schwung in die kommenden Landtagswahlen gehen. Immerhin hätten die Grünen in Hamburg ihr Ergebnis verbessert. „Es ist ordentlich, dass wir zulegen konnten, dass wir zweistellig geworden sind“, sagte Roth am Sonntag in der ARD. „Jetzt geht es volle Kanne. Jetzt wollen wir in den Bundesländern in den Landtag einziehen, in denen wir noch nicht drin sind.“ Das seien Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern. Zudem wolle die Partei um „verstärkte Regierungsbeteiligung“ kämpfen.
Also für die GAL nur 11,2 statt der erhofften 14 Prozent. Enttäuschung – dieses Wort mochte am Wahlabend aber niemand vom „Führungspersonal“ der Partei in den Mund nehmen. „Wieso? Wir haben unser Wahlergebnis zu 2008 doch um mehrere Prozent verbessert“, so die Abgeordnente Antje Möller. „Natürlich wollten wir mitregieren“, soviel gestand Anja Hajduk zumindest.
Deutlicher wurden neu angetretene Kandidaten wie Stefanie von Berg, die in Eimsbüttel zur Wahl stand. „Mich wundert das Ergebnis gar nicht, ich wusste, dass wir abgestraft werden.“ Selbst im Straßenwahlkampf in der GAL-Hochburg Eimsbüttel habe jeder Zehnte gesagt, er würde die GAL bestimmt nicht wieder wählen. „Moorburg, die Koalition mit der CDU und den Koalitionsbruch wurden uns entgegen gehalten.“
Tröstende Worte fand Cem Özdemir, der bei der Wahlparty früh auflief. „Die CDU hat nach dem Koalitionsbruch mehr als 20 Prozent verloren, die GAL konnte trotz der schwierigen Situation zulegen. Das ist ein ordentliches Ergebnis.“
Viele GALier trösteten sich damit, dass die Koalitionsverhandlungen mit der SPD äußerst zäh geworden wären und die Grünen viele Federn gelassen hätten.
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