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Noch immer verschwunden: Fall Jeremie: Zu viel Geld für zu wenig Betreuung

Jeremie A. (ganz in Weiß) inmitten des Ensembles des „Circus Monaco“. Der Elfjährige trat als Clown auf.
Jeremie A. (ganz in Weiß) inmitten des Ensembles des „Circus Monaco“. Der Elfjährige trat als Clown auf.
Foto: Ruega

Seit elf Tagen ist Jeremie (11) verschwunden. Und der Fall birgt politisch immer mehr Zündstoff. Denn laut einer Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage der Grünen war die Unterbringung des Jungen mit 7400 Euro monatlich extrem teuer – ohne dass es eine ausreichende pädagogische Betreuung gab.

Im Alter von neun Jahren kam Jeremie zu einer Pflegefamilie in Lübtheen (Mecklenburg), die den Wanderzirkus „Monaco“ betreibt. Eine „erlebnispädagogische Unterbringung“ für schwierige Kinder. Vor knapp zwei Wochen floh Jeremie – seitdem fehlt jede Spur von dem Jungen. Nun wird klar: Nur alle zwei Wochen kam eine Pädagogin des Trägers „Neukirchener Erziehungsverein“ (Nordrhein-Westfalen), um den Jungen im Zirkus zu besuchen.

Den Amtsvormund des Bezirksamtes Hamburg-Mitte sah Jeremie in den zwei Jahren nur fünf Mal. Ansonsten wurde er ausschließlich von der Zirkusmutter betreut, die keine pädagogische Ausbildung besitzt. „Für 7400 Euro monatlich darf man eine enge pädagogische Versorgung erwarten“, so die Grünen-Abgeordnete Christiane Blömeke. Zudem sei eine intensivpädagogische Betreuung verordnet worden. Auch die Besuche des Amtsvormundes aus Mitte seien ihrer Ansicht nach viel zu selten vorgekommen. „Seit Juni 2011 schreibt ein neues Bundesgesetz einen persönlichen Kontakt zwischen Mündel und Vormund ein Mal monatlich vor“, so Blömeke.

Jeremies Großmutter Rositta Ansin (66)
Jeremies Großmutter Rositta Ansin (66)
Foto: Ruediger Gaertner

Fragwürdig erscheint auch, dass Jeremie bereits im Alter von neun Jahren in eine solche Maßnahme gesteckt wurde. „Eigentlich wird so etwas erst für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen“, sagt Blömeke.

Laut Senatsantwort betreut der von der Diakonie betriebene „Neukirchener Erziehungsverein“ weitere elf Kinder aus Hamburg. Auch sie sind in Wanderzirkussen oder Tournee-Shows untergebracht. Auch bei der Familie Korth aus dem niedersächsischen Boffzen. Sie betreibt eine Stunt- und Monstertruckshow. „Es stellt sich die Frage, was dieses Unternehmen qualifiziert, Kinder oder Jugendliche zu betreuen und welche pädagogischen Maßnahmen hier zum Einsatz kommen“, so Blömeke.

Am Dienstag wird der Fall Thema im Kinder- und Jugendausschuss der Bürgerschaft sein. Am Mittwoch dann vor dem Familiengericht, weil die Großeltern ein erweitertes Besuchs- und Kontaktrecht erhalten wollen.

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