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Kommissar vor Gericht: Schlemmen für lau- Extrawürste für den Polizeichef!

Hauptkommissar Henry Holst (61) vor der Geesthachter Polizeiwache
Hauptkommissar Henry Holst (61) vor der Geesthachter Polizeiwache
Foto: timo jann

Mett-Enden, Schinken, Leberwurst: Auf dem platten Land, ja da mag man es deftig. Das gilt auch für die Polizei. Doch nun könnte der ehemalige Polizeichef von Geesthacht über seine Neigung zur Wurst stolpern. Henry Holst (61) soll Kollegen animiert haben, bei örtlichen Schlachtern Fleisch-und Wurstwaren fürs Skatturnier zu besorgen.

Handfest und erdverbunden – so ist Henry Holst den Geesthachtern in Erinnerung. Doch schon 2009 wurden erste Vorwurfe gegen den leitenden Beamten laut: Er soll regelmäßig mit dem Streifenwagen von Geesthacht zum Kreistag nach Ratzeburg gefahren sein. Im Fahrtenbuch trug er dann unter anderem „Kurierfahrten“ oder „Streifenfahrten“ ein, doch tatsächlich dienten die Fahrten dem Privatvergnügen des Ersten Polizeihauptkommissars.

Henry Holst (61) steht nun vor Gericht.
Henry Holst (61) steht nun vor Gericht.
Foto: timo jann

Er saß nämlich seit 2008 für die CDU als Abgeordneter im Kreistag des Herzogtums Lauenburg. Als „Eselei“ bezeichnete der Polizist, der seit 2010 außer Dienst ist, seine Schummeleien.

„Betrug“ und „erbärmlich“ nannte es der Amtsrichter in Ratzeburg und verknackte Holst zu einer Geldstrafe in Höhe von 7150 Euro – auf Bewährung. Zusätzlich muss der Ex-Beamte aber 3000 Euro an den Weißen Ring zahlen. Doch schon bald könnte Holst erneut vor dem Kadi landen – wegen besagter Würste nämlich. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat Holst wegen „Verleitung Untergebener zu Straftaten“ angeklagt. Vier Polizisten sollen mit seiner Billigung jahrelang örtliche Schlachter besucht haben, um dort Deftiges fürs Skatturnier der Wache zu „schnorren“. Juristisch nennt man das „Vorteilsannahme“.

Henry Holst (61) soll Kollegen animiert haben, bei örtlichen Schlachtern Fleisch-und Wurstwaren fürs Skatturnier zu besorgen.
Henry Holst (61) soll Kollegen animiert haben, bei örtlichen Schlachtern Fleisch-und Wurstwaren fürs Skatturnier zu besorgen.
Foto: dpa-tmn

Doch offenbar wegen „Geringfügigkeit“ hat es das Amtsgericht Ratzeburg abgelehnt, das Hauptverfahren gegen Holst erneut zu eröffnen. Die Kieler Staatsanwaltschaft ist aber in die Beschwerde gegangen. Das Landgericht Lübeck wird jetzt entscheiden, ob der Ex-Polizeichef eine Extrawurst bekommt oder nicht.
Von einer „Grauzone“ spricht Joachim Lenders, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft: „Man muss die Kirche im Dorf lassen. Ich kann hier keine große Bereicherungsabsicht erkennen.“ Lenders verweist darauf, dass heute ja jeder Fußtreifen-Beamte Angst habe, eine Tasse Kaffee anzunehmen. Und gleichzeitig steckten sich Wirtschaftsbosse Millionen in die Tasche.

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