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Der Pferdeschänder von Tostedt: Warum ihm keine harte Strafe droht

Der Pferdechänder Max L. (Name geändert) aus Tostedt.

Auf diesem Bild von seiner Facebook-Seite sieht Max L. (Name geändert) wie eine Witzfigur mit Stahlhelm aus. Aber der 23-jährige Mann hat vielen Pferden furchtbare Qualen zugefügt.

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hfr

Was, in Gottes Namen, treibt einen Jugendlichen dazu, Pferde sexuell zu missbrauchen, sie zu quälen, sie zu töten? 17 Jahre – so alt war Max L. (Name geändert), als er zum Pferderipper wurde. Eine ganze Serie von Tierquälereien in Norddeutschland geht wohl auf sein Konto. Inzwischen ist der gebürtige Hamburger, der auf seiner Facebook-Seite gerne Tierbilder postet, 23 Jahre alt und muss sich in Tostedt (Landkreis Harburg) vor Gericht verantworten.

Montag kurz vor 9 Uhr: Vor dem Amtsgericht haben sich bei Sonnenschein und bitterer Kälte viele Menschen versammelt. Sie tragen Plakate: „Stoppt die Perversen!“ steht drauf. Oder: „Tierschänder sind die nächsten Kinderschänder.“ Oder: „Kein Tier möchte gequält werden.“

Tierbesitzer protestieren vor dem Amstgericht Tostedt.

Am Montag vorm Amtsgericht Tostedt: Betroffene Tierbesitzer wie Dina Warnecke (49, r.) protestieren gegen den Pferderipper.

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hfr

Die meisten, die da stehen, sind persönlich betroffen: Weil es ihre Pferde waren, die unbeschreibliche Qualen über sich ergehen lassen mussten. Wie Jennifer Bargholz (39) aus Tostedt, die im Herbst 2014 drei Pferde, die Stuten „Omi“ und „Moon“ sowie den Wallach „Max“, einschläfern lassen musste, weil sie furchtbare Verletzungen hatten. 

Eine andere Betroffene ist Dina Warnecke (49), die in Otter einen Pferdehof betreibt. Zwei tote Pferde waren es bei ihr. Zudem musste sie 40000 Euro für Tierärzte aufbringen. „Immer noch sind alle unsere Pferde ab Einbruch der Dunkelheit hinter Ketten und Gattern weggesperrt“, sagt sie. Denn sicher fühlt sie sich immer noch nicht: „Wieso auch? Der Kerl läuft doch frei herum. Wir sehen ihn doch laufend auf der Straße!“

Solche Bilder zeigt der Pferderipper auf Facebook.

Niedliche Shetland-Ponys auf grüner Weide. Bilder wie dieses zeigt der Pferderipper auf seiner Facebook-Seite.

Montagfrüh, als die Pferdebesitzer Max L. ausnahmsweise einmal gerne zu Gesicht bekommen hätten, nämlich um ihm vor Prozessbeginn ihre ganze Wut entgegenzuschleudern, bleibt er unsichtbar. Ins  Gerichtsgebäude ist er    durch einen Hintereingang  gelotst worden. Auch im Verfahren selbst wird ihn niemand zu Gesicht bekommen. „Weil der Beschuldigte bei der ersten  der ihm zur Last gelegten Taten noch keine 18 war“, so Astrid Hillebrenner am Montag, die Direktorin des Amtsgerichts Tostedt, zur MOPO, „wird ihm nach Jugendstrafrecht der Prozess gemacht.“ Das bedeutet: Die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen.  Am Ende werde nicht einmal das Strafmaß bekannt gemacht. 

Max L. lebte seit dem zweiten Lebensjahr im Heim bzw. bei Pflegefamilien, weil die Eltern nicht mit ihm zurechtkamen. Mit zwölf entdeckte er, dass ihn Tiere  sexuell erregen, deshalb heuerte er als Helfer auf Pferdehöfen an. In der Vergangenheit sollen bereits 50 Strafanzeigen gegen ihn vorgelegen haben. Er kam zu einer Therapie in eine Jugendeinrichtung – wurde aber bald wieder entlassen, weil die anderen Bewohner Angst vor ihm hatten. Er soll sich mit seinen Taten auch noch gebrüstet haben.

Amtsgerichts-Direktorin Dr. Astrid Hillebrenner.

Amtsgerichts-Direktorin Dr. Astrid Hillebrenner.

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Schimkus

Als 2014 im Raum Tostedt, Hollenstedt, Königsmoor und Handeloh immer mehr Pferde schwerste Verletzungen aufwiesen, verdächtigte ihn zunächst niemand. In Panik installierten Pferdebesitzer Kameras und Scheinwerfer, legten sich Nacht für Nacht auf die Lauer. „Für mehrere Jahre haben wir nicht einmal Weihnachten gefeiert“, so Dina Warnecke. „Wir waren selbst an Feiertagen draußen, um unsere Tiere zu beschützen.“

Am Ende hat sich die Jagd ausgezahlt: Im Januar 2015 wurde Max L. auf frischer Tat ertappt. Zunächst soll er 23 Fälle gestanden, dann aber das Geständnis  zurückgezogen haben. Jetzt werden ihm sieben Taten zur Last gelegt. Doch mit einer harten Strafe hat er kaum zu rechnen. Das Quälen von Tieren ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Darauf steht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.





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