Wenn erwachsene Söhne ihre Mutter anrufen, machen sie das gerne um 19.50 Uhr. Dann hat Mama bis zur Tagesschau nur zehn Minuten Zeit, sich zu beschweren („Ihr meldet euch ja nie, ich könnte tot in der Wohnung liegen!“), Erziehungstipps zu geben („Der Junge ist noch nicht im Bett? “) und ihre Reisepläne kundzutun („Ich fahr mit Tante Gesine nach Sardinien“). Mit Mama telefonieren steht auf der männlichen Spaß-Liste im unteren Drittel. Männer fragen ihre Kumpel auch nicht „Und, wie geht's deiner Mutter?“. Frauen machen das. Es ist eine glamouröse Vorstellung, dass Frauen mit ihren Freundinnen immer über Sex reden, aber die Wahrheit ist: Sie sprechen viel öfter über ihre Mütter. („Seit der Pubertät zuppelt sie an mir rum, und jetzt, wo ich über 40 bin, sagt sie immer noch: ,In deinem Alter hatte ich aber nicht so schlechte Haut’. Puuh.“).
So richtig lustig wird das Frauenleben, wenn so ab 30 neben Mama auch noch die Mutter des Mannes bepuschelt werden will. Jetzt muss die gebeutelte Sohnmutter nicht mehr den Anrufbeantworter vollquasseln („Ich könnte tot in der Wohnung...“), jetzt kann sie ihre Schwiegertochter auf dem Handy anrufen. Super. Und natürlich erwartet die internetfitte Schwiegermutter von heute Fotos und Videos vom Familienurlaub per Mail. Aber bitte schön gerecht verteilt, sonst gibt's Ärger für die Schwiegertochter („Wieso hat deine Mutter so schöne Bilder von eurem Ferienhaus und ich nicht?“)
Manchmal sagt die Frau: „Du musst mal wieder deine Mutter anrufen.“ Dann seufzt der Mann. Wenn er zu lange seufzt, ruft Mama an. Zu ihrer Lieblingszeit. Sonntagmorgen um 9.10 Uhr: „Was? Ihr liegt noch im Bett? Ich war schon mit dem Hund.“ Wir lieben sie. Ehrlich.