Wann hat das eigentlich angefangen? Wann wurde aus einer simplen Essenseinladung für ein paar Freunde eine Wissenschaft? Das war doch früher so einfach. Jeder brachte was mit, man hatte am Ende fünf Nudelsalate, vier Fladenbrote und drei Tiramisu und gut war. Wir waren Mitte zwanzig, also quasi vorgestern.
Dann kam die angeberische „Perfektes Dinner“-Phase, so ab Mitte dreißig, mit teurem Geschirr, die Pfeffermühle mundgedrechselt und beleuchtet, das Salz aus dem Himalaya und der Wein eine eigene Entdeckung „von einem ganz kleinen Weingut im Piemont“. Es wurde ein furchtbares Theater ums Olivenöl gemacht („von einer ganz kleinen Kooperative, die wir auf Sardinien entdeckt haben“). Und der Gastgeber begrüßte seine Gäste gerne in einer Schürze mit eingesticktem Namen eines Sternerestaurants, Souvenir vom jüngsten Kochkurs. Das war gestern.
Und heute? Wer mit Mitte vierzig seine Freundinnen einlädt, kann nicht einfach einen Auflauf in den Ofen schieben. „Du, bloß keine Mühe, aber denk bitte dran, ich mach gerade low carb, Butternusskürbis geht nicht“, kündigt die eine Freundin schon am Telefon an. „Keine Zwiebeln, ich stille Leon noch“, mahnt die Spätgebärende.
Die dritte hat Lactose-Intoleranz (“Mein Brot bring ich am besten selbst mit“), die vierte ist Vegetarierin mit Tomaten-Phobie und die fünfte ernährt sich neuerdings blutgruppenkonform (“Nur Mais und Gurke soll ich nicht, hat der Heilpraktiker gesagt.“).
Die Tischgespräche drehen sich um Darmsanierung, Rücken und Amalgam-Plomben. Hilfe. Einmal die Seniorenplatte für alle. Und danach eine schöne Schnabeltasse Roten. Aus der Toskana.