Der Mann hat ein Problem. Er will mehr Sport machen. Nein, will er eigentlich gar nicht, er soll. Sagt seine Frau und sagt sein Arzt, die er beide in regelmäßigen Abständen mit seinem Kreuzweh volljammert.
Außerdem, muss er sich selbst eingestehen, war er neulich ganz schön aus der Puste von dem bisschen Holzstapeln.
Der Mann findet, ein Fitnessrad muss her. „Das wird schön“, malt er seiner Frau aus, „dann kann ich ein bisschen Sport machen, wenn du bügelst, und wir gucken zusammen SOKO Leipzig.“
Die Frau nickt, noch ganz entspannt. Sie weiß: So eine Anschaffung zieht sich. Der Mann muss sich ja erst durch alle Heimtrainer-Testberichte wühlen, im Netz die Preise vergleichen und durch die örtlichen Sportartikel-Fachgeschäfte streifen. Er betreibt die Auswahl des richtigen Modells mit einer Ernsthaftigkeit, als plane er, mit dem Heimtrainer die Alpen zu überqueren.
Schließlich steht das Ding im Schlafzimmer. Der „Ultrasport Racer 100“ mit Handpulssensoren, Komfortsattel und Unterlegmatte. Der Mann ist hoch motiviert, die Frau ästhetisch erschüttert. Der Mann strampelt sofort los („Total leise, du hörst nichts!“) und wenn er nicht beide Hände am Lenker hätte, würde er sich selbst auf die Schulter schlagen.
Er prahlt, dass man die Stromversorgung des Haushaltes in Zukunft über den Heimtrainer laufen lassen könnte, wo er doch nun sowieso jeden Abend eine Stunde „aufs Rad“ steigen wird. Mindestens.
Nach wenigen Wochen hat die Frau sich mit dem hässlichen neuen Mitbewohner im Schlafzimmer arrangiert. Er fällt ja auch kaum noch auf unter dem Klamottenberg. Ein Kleiderständer mit Pulssensor. Super.