Jetzt sieht man sie wieder in jeder Werbepause, die hübschen Familien in ihren weihnachtlich geschmückten Wohnungen mit Flügeltüren, Kamin und Schneegestöber vorm Fenster. So harmonisch.
Gott, oh Gott, denkt da die Zuschauerin, und erinnert sich kurz an das Weihnachtsfest mit der eigenen Sippe im vergangenen Jahr. Das war eher „Super-Nanny“ als Tchibo-Werbung.
Die Wahrheit sieht doch so aus: Die Frau fängt irgendwann im Advent an, ein paar Lichterketten mit Saugnäpfen um die Fenster zu drapieren, und während sie die dritte noch entwirrt, mault der Mann schon: „Noch eine?“ Die Lichterketten-Allergie (oder auch „Funkel-Furunkel“) macht dem Mann in der Weihnachtszeit das Leben schwer. Er hat die Winterreifen aufziehen lassen und Frostschutz ins Scheibenwasser gekippt, das waren ausreichende Beiträge zur familiären Vorweihnachtszeit, findet er.
Heißt: Wenn die Frau nach zwei Nachtschichten die Adventskalender für die Kinder fertig gepackt hat („16, 17, den Rest mach ich morgen“), muss sie sich mit den Weihnachtsgeschenken beschäftigen. Das böse G-Wort! Wenn es um Geschenke geht, handelt der Mann strikt nach dem Motto „Mein und dein gibt es in einer Ehe nicht mehr.“ Sprich: „Meine Mutter, Schwestern, Nichten und Neffen sind auch deine, und du weißt doch bestimmt, womit man denen eine Freude machen kann.“
Wenn Schwiegermama am Heiligen Abend ein Geschenk von ihrem Sohn überreicht bekommt („Für dich, Mama, von uns allen“) und freudestrahlend „Oh, was ist denn da drin?“ fragt, wird sie höchstwahrscheinlich in ein ratloses Sohn-Gesicht blicken.
So was zeigt das Werbefernsehen nie, denkt die Frau. Und hängt die vierte Lichterkette auf.