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St. Pauli-Urgestein: Pliquett denkt über Vereinswechsel nach

Während des Trainingslagers in Belek dehnt sich Torwart Benedikt Pliquett auf dem satten Grün. An Philipp Tschauner, St. Paulis Nummer eins, kommt er vorerst nicht vorbei.
Während des Trainingslagers in Belek dehnt sich Torwart Benedikt Pliquett auf dem satten Grün. An Philipp Tschauner, St. Paulis Nummer eins, kommt er vorerst nicht vorbei.
Foto: WITTERS

Nur Fabian Boll ist noch länger dabei als er. Aber mehr St. Pauli als Benedikt Pliquett geht nicht. „Bene“ ist mindestens genauso sehr Fan wie Spieler des Vereins. Die MOPO sprach in Belek mit dem 28-jährigen Keeper, der sich mal wieder mit einer Reservistenrolle begnügen muss.

MOPO: Sie sind seit 2004 im Verein, Ihr Vertrag läuft aus. Bekommen Sie die zehn Jahre dennoch voll?

Benedikt Pliquett: Ich kann nur sagen, dass ich gern bleiben würde. Ich habe wirklich großen Spaß. Aber die Hinrunde …ist für mich dumm gelaufen. Eine Lungenentzündung hat mich weit zurückgeworfen. Aber ich habe in der vergangenen Saison gezeigt, dass es auch mit mir klappen kann. Da waren alle positiv überrascht. Ich finde es schade, dass ich keine Chance bekommen habe, als ich wieder gesund war.

So läuft es ja von Anfang an. Sie kommen in all den Jahren nur auf wenige Einsätze. Andere hätten wohl schon längst aufgegeben.

Mein Ehrgeiz ist immer da, man kriegt mich nicht tot. Ich mache immer noch mehr, als ich müsste, arbeite hart an mir, mache Fortschritte.

Welche?

Zum Beispiel die Fußarbeit. Das war im Test gegen Bellinzona zu sehen. Ich habe eine sehr gute Schlagtechnik, kein Ball ist im Aus gelandet. Ich bin topfit, habe das Gefühl, als wäre ich gerade erst 19 Jahre alt.

Überwiegt der Frust, nicht zu spielen, oder die Freude, in Hamburg Profi zu sein?

Ich bin schon sehr froh, dass ich meine Freunde um mich herum habe. Die Leute im Klub wissen ja auch, was sie an mir haben. Ich kann mein Ego für das Ganze hinten anstellen. Wie vergangene Saison, als Philipp Tschauner so stark gehalten hat, kann ich gut mit meiner Rolle leben. Dennoch: Wenn ich nicht spiele, könnte ich kotzen, und fühle mich nicht gut. Mir ist es in all den Jahren nie richtig leicht gemacht worden. Man hätte sich in der einen oder anderen Situation auch gern mal für mich entscheiden können.

Woher rührt eigentlich Ihre tiefe Liebe zu St. Pauli?

Es ist zunächst einmal die Ideologie. Ich bin von meinen Eltern so erzogen worden, dass alle Menschen gleich sind. Zweitens mag ich die vielen herrlich verrückten Leute. Die Fans machen unseren Klub aus. Durch sie ist St. Pauli nicht totzukriegen. Das hat man vor knapp zehn Jahren gemerkt, als es große wirtschaftliche Probleme gab.

Können Sie sich überhaupt ein Leben ohne St. Pauli vorstellen?

Ich bin auf Lebzeiten mit dem Klub verbunden, das ist ja klar. Aber als Sportler könnte ich mir mittlerweile schon vorstellen, auch woanders zu spielen.

Sie wirken seit ungefähr eineinhalb Jahren entspannter, schauen nicht mehr so grimmig aus.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mir ein Haus gekauft habe.

Das beruhigt?

Alles, was man braucht, ist ein Dach über dem Kopf, ein warmes Bett, einen vollen Kühlschrank – und natürlich Gesundheit.

Aber sie gönnen sich einen „Hummer“, einen großen amerikanischen Militär-Jeep.

Den habe ich für kleines Geld gekauft, der verbraucht auch nur 13 Liter Diesel. Ich transportiere viele Sachen, helfe damit Freunden beim Umzug.

Was können Sie tun, um den neuen, jungen Spielern den alten St. Pauli-Geist zu vermitteln, den Einsatzwillen und Kampfgeist?

Die Spieler, die heute zu uns kommen, sind mit den Morenas, Egers und Rothenbachs, die lange hier waren, nicht zu vergleichen. Sie bringen andere Sachen mit, sind taktisch und spielerisch besser ausgebildet. Ich habe die gesamte Mannschaft zu einer Veranstaltung der St.- Pauli-Skinheads mitgenommen.

Das war skurril, viele der Fans waren tätowiert. Aber die Spieler haben gemerkt, dass auch diese Fans im Grunde genommen lieb und nett sind. Das war ein toller Abend, ich habe unsere Jungs kaum da wegbekommen. So etwas kann ich tun.

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