Es ist viel passiert rund um den FC St. Pauli und seine Fanszene in den vergangenen Tagen. Viel wurde berichtet, aber längst nicht alles erwähnt oder korrekt beleuchtet. Mit Hilfe von St. Paulis Sicherheitsbeauftragten Sven Brux sowie Medienchef Christian Bönig, beide seit über 20 Jahren mit dem Verein verbandelt, versucht die MOPO, den Gegebenheiten etwas mehr auf den Grund zu gehen.
Der Fan-Protest während des Rostock-Spiels: „Entgegen der öffentlichen Darstellung wurde dazu nicht nur von den Ultras, sondern auch vom Fanclubsprecherrat aufgerufen“, erklärt Brux. Rund 1000 Menschen „aus allen Bereichen des Stadions“ seien dem bei Spielbeginn gefolgt. Es sei nie der Grundgedanke gewesen, sich mit den Rostockern zu solidarisieren, inhaltlich aber ging es um dieselbe Sache: Protest gegen die Untersagungsverfügung der Polizei, Karten an Gäste-Fans zu verkaufen.
Brux: „Es ging darum, zu sagen, man verzichtet auf das eine Spiel, denn irgendwann ist man selbst betroffen. Die Leute haben Angst, dass man ihnen einen wichtigen Teil des Lebensinhaltes rauben will.“ Nach MOPO-Informationen erachten nicht nur Fans das Vorgehen der Polizei für bedenklich, auch zahlreiche Beamte sollen große Zweifel an der Richtigkeit der Entscheidung haben.
Die anschließenden Ausschreitungen: Dass in den Medien das „Jolly Roger“ und das „Knust“ in Zusammenhang mit der Randale auftauchen, „ist unfair und sachlich falsch“, sagt Brux. „Es herrscht seit Jahren der Konsens, dass vom Jolly nichts ausgeht.“ So sei es auch am Sonntag gewesen.
Eine Gruppe Vermummter sei nach bisherigem Kenntnisstand aus der Paulinenstraße gestürmt, hätte die Polizei attackiert und sich danach wieder zurückgezogen. „Zu diesem Zeitpunkt standen Hunderte Leute friedlich vorm Jolly.“
Dass die Angreifer einer Gruppierung namens „Warriorz“ angehören, wird in der Szene kolportiert. „Aber über den Stand der polizeilichen Ermittlungen ist uns nichts bekannt“, erklärt Bönig. „Auch nicht darüber, ob das Vereinsmitglieder oder Dauerkarteninhaber sind.“ Brux fügt an: „Die Gruppe taucht manchmal auch im Stadion auf, gebärdet sich wie Ultras, gehört aber nicht zu USP.“
Die Quintessenz des Sonntags: „Es war ein legitimes Anliegen, in der Sache sagen zu können: Die Verfügung der Polizei war rechtlich falsch“, resümiert Brux. „Davon losgelöst haben vollkommene Idioten die Sache und andere Menschen gefährdet.“
Teil 2 des Gesprächs mit Brux und Bönig folgt!
Marcel Sander (29), Beamter aus Langenhorn: „Mir persönlich geht es als St. Pauli-Fan einfach nur um den Fußball. Allerdings ist die Fan-Szene in den letzten Jahren sehr politisch geworden. Und der Sport wird leider immer wieder als Plattform für politische Auseinandersetzungen missbraucht. Das finde ich absolut nicht in Ordnung. Das gehört genau wie die Gewalt nicht zum Fußball. Was man dagegen tun kann, ist schwer zu sagen. Das müssten vor allem die Fan-Gruppen unter sich regeln.“
Foto: Florian Quandt
Nach dem Spiel des FC St. Pauli gegen Rostock (3:0) haben St. Pauli-Chaoten die Polizei attackiert. Die Beamten setzten Wasserwerfer ein.
Foto: RUEGA| Bundesliga | 2. Bundesliga |
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