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Mit Fitness, Coolness und Moral: St. Paulis Kraft des langen Atems

Kollektiver Schlussjubel der Kiezkicker nach dem späten 1:1-Ausgleichstreffer durch Fabian Boll.
Kollektiver Schlussjubel der Kiezkicker nach dem späten 1:1-Ausgleichstreffer durch Fabian Boll.
 Foto: WITTERS

Die Erkenntnis ist eine erschütternde: Sepp Herberger hat die Unwahrheit gesagt. „Ein Spiel dauert 90 Minuten“, lautet ein gern genommenes Zitat des legendären Weltmeister-Trainers von 1954. Wäre dem wirklich so, dem FC St. Pauli fehlten in dieser Spielzeit wichtige Punkte.


Fabian Bolls leidenschaftlich umjubelter Ausgleich am vergangenen Freitag in Paderborn war bereits der fünfte Saisontreffer, den die Hamburger in der Nachspielzeit erzielten. Die Kraft des längsten Atems der Liga bescherte André Schuberts Pferdelungen bisher drei Zähler, neben Bolls Tor hatte auch Fin Bartels’ 2:1 gegen den MSV Duisburg (90.+3) entscheidenden Charakter. Gleich doppelt ist Mahir Saglik in dieser Statistik vertreten, er traf zum 2:3 gegen Aue (90.+1) und 3:1 in Rostock (90.+1). Max Kruses 3:1 gegen Alemannia Aachen (ebenfalls 90.+1) vervollständigt die Liste.


Aus diesen fünf Argumenten für intakte Fitness und Moral werden satte elf, erweitert man den Zeitraum auf die Schlussviertelstunde. Dem gegenüber stehen drei Gegentreffer in der Endphase, von denen nur der durch Fürths Occean zum 2:2 in der 90. Minute ins Gewicht fiel – das aber gleich nachhaltig. „Wir sollten so etwas künftig vermeiden, das kostet Nerven und Punkte“, hatte Boll damals angemahnt. Worte, die offenbar nicht ungehört verhallten.


Beeindruckend zudem der Glaube der Braun-Weißen an sich und die eigenen Stärken. Der 0:1-Rückstand in Paderborn war der siebte dieser Art in der laufenden Saison, verloren ging nur die Partie in Braunschweig. Dem gegenüber stehen vier anschließende Siege und zwei Remis, weil die Kiezkicker die Coolness für sich gepachtet haben. „Immer schön ruhig bleiben“ lautet nicht nur Bolls Motto. „Wenn es nur 0:1 steht, ist immer noch alles drin für uns.“


Analog zu St. Paulis Halbzeit-Hymne „We’re coming back“ der Oi!-Legende Cock Sparrer kombinieren die Hamburger Geduld und den absoluten Willen, um schlussendlich doch noch zum Erfolg zu kommen. „Hold on a little longer, try a little harder, 'til we're arm in arm together to the end“ heißt es in dem Song, der bereits im Jahr 1983 veröffentlicht wurde – und beim FC St. Pauli nie aktueller war als im Dezember 2011.

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