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Hand-Tor zugegeben: Ebbers, der ehrlichste Stürmer im Profi-Fußball

Ehrliche Haut: Marius Ebbers (l.) gibt gegenüber Schiri Tobias Welz das Handspiel zu.
Ehrliche Haut: Marius Ebbers (l.) gibt gegenüber Schiri Tobias Welz das Handspiel zu.
 Foto: Witters

Am Tag danach. Der Held, der keiner sein möchte, sitzt vor einer Horde Pressevertreter und weiß eigentlich gar nicht, warum. „Was wollt ihr alle hier“, fragt Marius Ebbers rhetorisch in die Runde. Und dann muss er sie immer wieder erzählen, seine ganz persönliche Geschichte über Ehrlichkeit im Millionengeschäft Profi-Fußball.


Im Zweitliga-Heimspiel des FC St. Pauli gegen Union Berlin hatte der 34-Jährige in der 80. Minute das wichtige 2:1 erzielt – aber wie? Mit dem Kopf? Mit der Hand? Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) hatte nichts gesehen, gab das Tor. Doch die Berliner Spieler protestierten wild.

Marius Ebbers netzt mit Hand und Kopf ein. Schiedsrichter Welz entschied zunächst auf Tor, nach Protesten gestand Ebbers aber sein Handspiel.
Marius Ebbers netzt mit Hand und Kopf ein. Schiedsrichter Welz entschied zunächst auf Tor, nach Protesten gestand Ebbers aber sein Handspiel.
 Foto: WITTERS

Daraufhin ging der Referee zu Schütze Ebbers. „Da macht man sich schon einen Kopf“, sagt der. Für klare Gedanken war es „zu hektisch, verwirrend und laut. Also habe ich die Wahrheit gesagt“. Nämlich, dass Kopf und Hand, obgleich nicht absichtlich, im Spiel waren.


Folge: Der Schiedsrichter gab Freistoß für Union, es stand weiter 1:1. Die Respektsbekundungen der Berliner wies Ebbers brüsk zurück, „das hat mich tierisch genervt. Ich wollte mich nicht feiern lassen, denn wir mussten ja gewinnen.“ Was auch klappte, kurz vor Schluss gelang Bartels das 2:1. „Ich bin Fin echt sehr dankbar“, gesteht Ebbers, „sonst würde ich jetzt hier als Depp der Nation sitzen.“ So wie im letzten Jahr Gerald Asamoah.


Der hatte im Spiel St. Paulis gegen Hannover beim Stand von 0:0 auf Nachfrage von Referee Peter Gagelmann (Bremen) kurz vor Schluss zugegeben, dass St. Pauli zu Unrecht ein Eckball zugesprochen worden war. Es gab Abstoß, im Gegenzug kassierte St. Pauli das 0:1, stieg am Saisonende ab. Für den Fairplay-Preis, den Asamoah erhielt, konnte sich keiner was kaufen.


Diesmal aber siegte „das Gute, an das wir alle glauben sollten“, wie es Trainer André Schubert formulierte, und Ebbers sah sich gestern dem geballten Flachs der Kollegen ausgesetzt. „Die Überschrift der MOPO wurde mir bestimmt sieben Mal an den Kopf geschmissen“, lacht er, um dann ernst anzufügen: „Ich habe überlegt, wie scheiße die Situation für mich im Grunde war. Hätten wir nicht gewonnen, wären wir jetzt vier Punkte hinter einem Aufstiegsplatz.“

Hier jubelt Marius Ebbers noch! Kurz danach gab er zu, das er bei seinem zunächst gegebenen Treffer die Hand zur Hilfe genommen hat.
Hier jubelt Marius Ebbers noch! Kurz danach gab er zu, das er bei seinem zunächst gegebenen Treffer die Hand zur Hilfe genommen hat.
 Foto: WITTERS

Ebbers’ Ehrlichkeit, für die er laut Sportchef Helmut Schulte „den Friedensnobelpreis verdient hat“, hätte St. Pauli Millionen Euro kosten können. Und der Schritt vom Helden zum Deppen war nur ein winzig kleiner.

Während St. Paulis Stürmer durchweg in höchsten Tönen gelobt wurde, gab es am Verhalten von Schiedsrichter Tobias Welz aus Wiesbaden auch deutliche Kritik.


„Er soll pfeifen, was er sieht, und nicht den Spieler befragen“, schimpfte Sportchef Helmut Schulte und bekam Unterstützung von Trainer André Schubert: „Ich erachte es für höchst schwierig, dem Spieler eine solche Bürde aufzuerlegen.“ Man könne ja auch künftig nicht bei jedem Foul fragen, ob das nun eines war oder eben nicht. Der Videobeweis allerdings wäre für Schubert keine ernsthafte Alternative, „dann diskutierst du ja alle paar Minuten über irgendwas“. Das einzige technische Hilfsmittel, das er akzeptiere, sei der Chip im Ball, „damit man mit 100-prozentiger Sicherheit sagen kann, dass er im Tor war“.


Komplett einig waren sich jedoch alle bei der Bewertung von Ebbers’ Verhalten. „Er hat Klasse gezeigt“, lobte Unions Marc Pfertzel. „Ich hoffe, dass St. Pauli aufsteigt. Wer so handelt, verdient das einfach.“ Auch sein Trainer Uwe Neuhaus war voll der Anerkennung und ernannte Ebbers zu seinem „Spieler der Saison. In so einer Situation und bei dem Druck diese Entscheidung zu treffen, das ist à la bonheur“.


Sogar beim nächsten Gegner nahm man das Verhalten des 34-Jährigen mit großer Hochachtung zur Kenntnis. „Das passiert auch nicht alle Tage“, sagte Thomas Kleine, Kapitän von Greuther Fürth. „Zum Glück hat sich St. Pauli noch mit dem Siegtor belohnt.“

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