Meterhoch türmt sich der Schnee in Going, so hoch, dass die Klitschko-Brüder ihre Berghütte verlassen und ins Tal umziehen mussten. Lawinengefahr. Unweit des Nobelhotels „Stanglwirt“ trainieren Vitali (am 18. Februar gegen Dereck Chisora) und Wladimir (3. März, Jean-Marc Mormeck) für ihre Titelverteidigungen. Und das erstmals seit acht Jahren wieder gemeinsam. Im großen MOPO-Bruder-Interview präsentieren sich Vitali (40) und Wladimir (35) schlagfertig wie im Box-Ring.
Wladimir: Es ist schön, dass wir das teilen. Das ist eine einzigartige Möglichkeit und wird wohl auch das letzte Mal sein, weil es praktischer ist, wenn unsere Kämpfe weiter auseinander liegen.
Vitali: Wir verbringen viel Zeit miteinander, trainieren, essen, reden – über Boxen, aber auch über das Leben.
Wladimir: Und das ist wirklich selten, weil wir oft unterwegs sind, in verschiedenen Städten, verschiedenen Ländern. Da bleibt meist nur das Telefon. Leider. Umso mehr genießen wir es hier.
Wladimir: Es gibt keinen Streit, wir vertragen uns gut. Allerdings sind ja auch erst ein paar Tage rum. (grinst) Vielleicht wird es ja noch schlimmer…
Vitali: Es gibt hier noch eine zweite Halle.
Wladimir: Willst Du mich etwa wegschicken?!
Wladimir: Seitdem ist so viel Zeit vergangen. Wir beide sind reifer geworden.
Vitali: Die Geschichte ist vergessen. Der Dampf ist raus.
Wladimir: Du darfst sagen, was Du willst, Vitali. Du weißt ja: Das geht in ein Ohr rein und aus dem anderen wieder raus…
Vitali: Zu viel Einmischung ist einfach nicht gut, dafür gibt es die Trainer.
Wladimir: Er ist jetzt eben ein weiser Mann! Aber im Ernst: Wir tauschen uns aus.
Vitali: Keiner ist vollkommen, aber jeder versucht, vollkommen zu sein.
Vitali: Ich werde ihm jetzt keine Komplimente machen, er ist schließlich keine Frau. Aber ich bin unseren Eltern sehr dankbar, dass sie mir Wladimir geschenkt haben. Es ist wirklich ein Geschenk, einen Bruder zu haben. Und wir sind nicht nur Brüder, sondern auch Freunde.
Wladimir: Ohne meinen Bruder wäre ich nie Boxer geworden. Ich bin in Vitalis Fußstapfen getreten und wollte beweisen, dass es der Kleine auch drauf hat.
Vitali: Wladimir wollte und will immer besser sein. Das spornt mich natürlich an.
Wladimir: Ich denke, Vitali ist der Stärkste.
Vitali: Du bist besser. Du hast viel mehr Gürtel als ich. Und ich bin alt. Die grauen Haare…
Wladimir: Das ist nicht das Alter, sondern die Weisheit.