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Kühne-Kohle, Lizenzvergabe: Wettstein wird zu Mr. HSV

Frank Wettstein

Herr der Zahlen: Im November 2014 heuerte Frank Wettstein als Finanz-Vorstand beim HSV an. Er ist der Stellvertreter von Boss Heribert Bruchhagen.

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Witters

Ohne ihn läuft nichts mehr. Seit November 2014 ist Frank Wettstein beim HSV – und hat sich zum wichtigsten Mann des Vereins gemausert. Kühne-Kohle, Lizenzvergabe, Zukunftsvisionen – alles läuft über den 43-Jährigen. Würde er so natürlich nie sagen. Schon gar nicht öffentlich.

Die Nischen sind sein Revier. Dort, wo er nicht auffällt, fühlt Wettstein sich wohl. Das war schon so, als er selbst noch kickte, in Düren, Langerwehe oder bei Viktoria Schlich. Tiefstes Rheinland. Immer in der Defensive, „aber dort auf jeder Position“, wie er betont.

Der Mann hat früh gelernt, zu malochen. Wettstein, der neue Mr. HSV. Unscheinbar, effektiv, loyal. Einer, der eigentlich nie vor eine Kamera tritt – aber als Finanz-Vorstand große Verantwortung trägt. Denn tatsächlich liegt das Schicksal des HSV vor allem in seinen Händen.

Wettstein ist das Vorstandsmitglied, das (neben Aufsichtsrat Karl Gernandt) Klaus-Michael Kühne als Gesprächspartner dient und den Investor informiert. Wenn Kühne künftig Geld für Transfers gibt, wird er sich vor allem mit Wettstein austauschen. Gernandt weiß: „Herr Kühne fühlt sich bestens informiert und hat großes Vertrauen zur Führungsmannschaft.“

Wettstein ist es auch, der in erster Reihe steht, wen es darum geht, die Bedingungen der DFL in Sachen Lizenzvergabe zu erfüllen. Ist ja auch sein Beritt: Er ist gelernter Bankkaufmann, Diplom-Kaufmann, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Der Finanz-Vorstand ist gefragt, Visionen für die Zukunft zu erstellen, um den HSV wirtschaftlich wieder auf gesündere Beine zu stellen.
Wie aber tickt der neue Mr. HSV? Tatsächlich soll der nach außen recht spröde wirkende Dürener am Arbeitsplatz einen kräftigen Humor versprühen. Typisch Rheinländer eben. Aus dem Aufsichtsrat heißt es hingegen, Wettstein sei eigentlich ein verkappter Hanseat – weil ein Handschlag bei ihm noch etwas zählt. Vor allem schätzen Kollegen seine Art, Dinge anzugehen. Lösungsorientiert sei Wettstein, ein Mann mit klaren Ideen.

Klar ist: Wenn der Boss etwas durchsetzen will, betreibt er dieses Vorgehen mit voller Härte. So etwa, als er 2015 erwirkte, Ehrenkarteninhaber müssten ihre Tickets selbst versteuern. Der Aufschrei bei vielen HSV-Legenden war groß, nicht nur Europacupsieger Holger Hieronymus gab sein Ehrenticket daraufhin zurück. Eine unpopuläre Entscheidung Wettsteins, die aber Früchte trägt. So spart der HSV pro Saison einen Millionenbetrag.

Wie lange aber sieht sich Wettstein beim HSV? Immerhin arbeitete er ja auch schon für Alemannia Aachen, Borussia Dortmund und 1860 München. Aber so schnell geht er wohl nicht weg. „Ziel ist es, die finanzielle Solidität über mehr als eine Spielzeit unabhängig vom sportlichen Erfolg abzusichern“, erklärt Wettstein. Da wird er wohl noch ’ne ganze Weile bleiben.