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HSV gegen M’gladbach: André Schubert (44): „Ich mache jeden Tag Fehler“

Schubert in der Champions League.

In der Champions League musste Schubert einen „feinen Zwirn“ tragen: „Ich habe mich nicht anders gefühlt als im Trainingsanzug.“

Foto:

Witters

Er ist die Trainer-Überraschung der Bundesliga: Nach seinem Rauswurf beim FC St. Pauli 2012 trainierte André Schubert (44) die U15 des DFB und zu Beginn dieser Saison die U23 von HSV-Gegner Gladbach. Nachdem Lucien Favre nach fünf Niederlagen in den ersten fünf Spielen freiwillig aufgegeben hatte, übernahm er am 21. September 2015 den Tabellenletzten interimsmäßig, wurde am 13. November offiziell Chefcoach – und sorgt seitdem für Furore.

MOPO: Herr Schubert, Lucien Favre hatte am Saisonanfang zusammen mit Pep Guardiola den sichersten Job. Trotzdem sind Sie sein Nachfolger geworden. Was für ein verrückter Karriere-Verlauf!
André Schubert:
Ich hatte mich beim DFB super wohlgefühlt. Doch mir hat es gefehlt, eine Mannschaft weiterzuentwickeln. Das konnte ich bei der U23 der Borussia – mit super Rahmenbedingungen. Es war natürlich nicht daran zu denken, dass ich Lucien beerben würde. Der Profi-Fußball ist geprägt durch eine große Geschwindigkeit, viele werden schnell hektisch. Das galt allerdings nicht für die Borussia. Hier sind alle ruhiggeblieben, alle standen zu Lucien, doch er ist selbst zurückgetreten. Es ist ja nicht das erste Mal, dass dann ein U23-Trainer folgt. Aber es ist eine besondere Geschichte daraus entstanden, weil wir danach sehr erfolgreich waren.

Ihre Bilanz mit zehn Siegen, zwei Unentschieden und nur drei Niederlagen ist beeindruckend. Gladbach ist Sechster, nur einen Punkt hinter Rang vier. Wie haben Sie die Kurve gekriegt? Ist ein Wunder passiert?
Wir haben zunächst einmal Ruhe bewahrt, die Mannschaft an ihre Qualitäten erinnert und unseren Fußball und ein paar Positionen verändert. Wir sind jetzt aktiver. Zudem: Die Mannschaft macht einen fantastischen Job. Sie ist klug, taktisch gut. Und wir haben auch hier und da das notwendige Quäntchen Glück.

Ist das schon der Fußball, den Sie sich vorstellen?
Wir werden nie fertig sein. Es geht immer um Veränderung, um Weiterentwicklung. Tatsache ist: Wir sind offensiv ausgerichtet, wollen ein Spiel dominieren, allerdings nicht auf Teufel komm raus stürmen. Es geht aber auch da-rum, wenig Chancen des Gegners zuzulassen. Unser nächstes Ziel ist es, taktisch noch flexibler zu werden.

Das erfordert viel Übung.
Richtig. Aufgrund der vielen Spiele mit Englischen Wochen hatten wir in der Hinrunde wenig echte Trainingsphasen. So richtig wird das vermutlich erst ab Sommer so sein, dass wir daran intensiv arbeiten, testen und probieren können.

Sie trainierten zuvor die U15 des DFB und die U23 der Borussia. Plötzlich mussten Sie Ihre Spieler auf Gegner in der Bundesliga und in der Champions League einstellen. Wie schafft man das so schnell?
Seit Anfang 2000 beschäftige ich mich intensiv mit erster, zweiter und dritter Liga sowie mit der Regionalliga und der A-Jugend-Bundesliga. Mittlerweile gibt es super Analyse-Möglichkeiten. Wir haben einen hervorragenden Analysten, alles ist gläsern.

Nach den zwei Start-Niederlagen in diesem Jahr gegen Dortmund und Mainz gab es Unruhe.
Nicht bei uns intern! Nach unseren Erfolgen in der Hinrunde sind die Erwartungen im Umfeld und bei den Medien gestiegen. Es ging um einen Bericht, dessen Erstellung – freundlich formuliert – nicht ganz glücklich gewesen ist. Mehr Kommentar ist dieser Bericht nicht wert. Mit so etwas müssen wir leben, das gehört dazu.

Wie sehen Sie Ihre Zeit beim FC St. Pauli? Sportlich lief es in Ihrer ersten Saison mit Platz vier super, wenige Monate danach wurden Sie entlassen. Was ist aus Ihrer Sicht schief gelaufen?
Ich habe in Hamburg wie zuvor in Paderborn viel gelernt. St. Pauli ist ein toller Verein, ich habe heute noch viele Kontakte, zum Beispiel zu Fabian Boll. Inhaltlich waren wir uns überwiegend einig, doch ich war in manchen Dingen zu ungeduldig, habe sie zu intensiv gefordert. Ich bin ruhiger und gelassener geworden, will Dinge nicht zu schnell überbewerten, mache mir das Leben auf diese Art leichter.

Davon profitieren jetzt die Gladbacher.
Es ist wichtig, dass man sich auch persönlich entwickelt, dazu gehört Selbstkritik. Ich mache jeden Tag Fehler, die gehören auch zu mir. Ich versuche aber, meinen Job immer besser zu machen.

Ein Sieg am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) gegen den HSV würde Ihre Arbeit erleichtern. Die Hamburger sind alles andere als stabil...
...aber es gibt keinen Grund, sie zu unterschätzen, zumal sie auch das Hinspiel mit 3:0 klar gewonnen haben. Außerdem dürfte Josip Drmic hochmotiviert sein.

Sie hätten dem Ausleihgeschäft nicht zustimmen müssen.
Das war der Wunsch von Josip. Bei uns herrscht eine hohe Konkurrenz-Situation im Offensivbereich, er wollte Spielpraxis sammeln, um bei der EM für die Schweiz dabei zu sein und eine gute Rolle spielen. Das würde auch für uns Sinn machen, wenn er danach mit gestärktem Selbstvertrauen zu uns zurück käme.

Stimmt es eigentlich, dass Sie einst beim HSV hospitierten?
Nein, ich habe mir von Karsten Bäron, mit dem ich zusammen die Fußball-Lehrerlizenz erworben hatte, lediglich den Jugendbereich zeigen lassen. Aber natürlich habe ich auch beim Training der Profis zugesehen.