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HSV-Trainer gefeuert: Mirko Slomka schoss sich selbst ins Aus

Verzweifelte zuletzt am Spielfeldrand – doch nun ist es vorbei: Der HSV hat die Reißleine gezogen und Trainer Mirko Slomka gekündigt.

Verzweifelte zuletzt am Spielfeldrand – doch nun ist es vorbei: Der HSV hat die Reißleine gezogen und Trainer Mirko Slomka gekündigt.

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Witters

Es war dann mal wieder so weit, schneller als zuvor noch angekündigt. Am Montagabend trennte sich der HSV von seinem chronisch erfolglosen Coach Mirko Slomka. Der erste Trainer-Rauswurf dieser Bundesliga-Saison. Und das Ende einer nur sieben Monate währenden Amtszeit, während der sich Slomka selbst ins Aus manövrierte.

Als Slomka am Montag um 15.16 Uhr den Parkplatz vor der Arena verließ, da baute er vor. „Das Fußballgeschäft ist sehr schnelllebig“, erklärte der Trainer, ehe er davon brauste. Da ahnte er wohl schon, was kommen würde.

Einige Stunden später wurde der 47-Jährige von seiner Entlassung unterrichtet. Seit 11 Uhr hatten die HSV-Bosse um den Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer, Finanzvorstand Joachim Hilke, Aufsichtsratschef Karl Gernandt und Kontrolleur Thomas von Heesen in der HafenCity getagt. In den Geschäftsräumen von HSV-Milliardär Klaus-Michael Kühne („Kühne+Nagel“) fiel die Entscheidung: Slomka muss gehen. Sofort!

Slomka gefeuert – obwohl Gernandt das noch am Sonntag, unmittelbar nach dem 0:2 in Hannover, ausgeschlossen hatte. Man werde nicht die Nerven verlieren und „zu 120 Prozent nicht handeln“, ließ er wissen. Slomka solle noch die beiden Chancen gegen die Bayern (am Sonnabend) und vier Tage später in Gladbach erhalten. Aussagen, die sich einen Tag später als haltlos erwiesen – weil Slomka die Wende nicht mehr zugetraut wurde.

Wie tief das Misstrauen der Kluboberen war, belegt die Tatsache, dass Slomkas Nachfolge völlig ungeklärt ist. Der frühere Mainzer Thomas Tuchel ist zwar Topkandidat, eine Lösung aber noch längst nicht spruchreif. Auch die Namen Huub Stevens, Roberto Di Matteo und Markus Babbel geisterten gestern im Volkspark umher. Klar ist nichts, und dennoch: Mit Slomka, da herrschte am Ende Einigkeit, konnte es nicht weitergehen.

Seine Bilanz ist verheerend: sieglos, torlos, Tabellen-Schlusslicht. Ein Jammer für alle Fans, die eben noch vor Aufbruchstimmung jauchzten – und nun wieder genauso von Pleite zu Pleite eilen wie in der fürchterlichen Vorsaison, die gerade noch so mit dem Klassenerhalt endete.

Slomkas Aus. Die Bosse beäugten den Coach auch deshalb schon länger kritisch, weil auf dem Platz trotz der mit neun Wochen längsten HSV-Sommervorbereitung aller Zeiten auf dem Platz keine konkrete Spielidee zu erkennen war. Fast noch schlimmer: Der Trainer hatte seit geraumer Zeit kaum noch Verbündete unter den Profis. Und er feilte hart daran, dass es so kam.

Zahlreiche Geschichten, in denen Slomkas zwischenmenschliches Gespür für seine Spieler angezweifelt werden darf, machten die Runde. So soll der Trainer zuletzt Jung-Profi Kerem Demirbay mehrfach einen Beraterwechsel nahegelegt haben, versehen mit dem Hinweis, sich doch Harun Arslan anzuvertrauen – dem Mann, der auch Slomka vertritt. Ein äußerst fragwürdiger Vorgang. Demirbay wiegelte ab, beklagte sich dafür bitterlich, dass er trotz guter Leistungen in der Vorbereitung nahezu chancenlos war – und wechselte nun frustriert auf Leihbasis nach Kaiserslautern. Einen anderen Profi soll Slomka unter vier Augen verbal derart herablassend behandelt haben, dass dieser in Tränen ausbrach.

Auch mit fast allen Führungsspielern des Kaders verscherzte es sich Slomka nach und nach. Beachtlich vor dem Hintergrund, dass der 47-Jährige gerade mal sieben Monate lang das Zepter beim HSV schwang. Den Pressevertretern gegenüber trat er häufig schroff und scharfzüngig auf. Es sei denn, die Kameras surrten.

Eine Gemengelage, die den Trainer nach und nach ins Abseits manövrierte. Und dennoch, Slomka hoffte auf einen Aha-Effekt, brachte auch deshalb zuletzt in Hannover alle sieben Neuzugänge des Sommers – in dem Glauben, sie würden sich für ihn die Seele aus dem Leib rennen. Später erkannte er: „Wir wissen, dass diese neue Mannschaft etwas Zeit braucht.“ Eine Erkenntnis, die zu spät kam. Einen Tag nach dem 0:2 im Nord-Derby war Slomkas Zeit beim HSV abgelaufen.

Ein selbstverschuldeter Rauswurf, mit dem der Trainer am Montagmorgen noch überhaupt nicht rechnete. Die Kluboberen aber hatten genug gesehen und gehört. Der Mann, der dem HSV ein fußballerisch erfolgreiches Antlitz verpassen sollte, ist nicht mehr da. In Kürze werden die Bosse einen anderen Trainer in den Volkspark schicken, der den Profis auf dem Weg, besser zu werden, vielleicht ein wenig mehr Hilfestellung leistet, als Slomka.





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