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HSV-Star in MOPO-Interview: Rafael van der Vaart exklusiv: „Der Kopf spielt eine Rolle“

HSV-Superstar Rafael van der Vaart spricht über seine sportliche Formkrise.

HSV-Superstar Rafael van der Vaart spricht über seine sportliche Formkrise.

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WITTERS

Der HSV tritt am Sonnabend (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.DE) beim Meister an – und das als krasser Außenseiter. Die Vorfreude ist trotzdem groß. Ganz besonders bei Rafael van der Vaart, denn vier von fünf Spielen gegen Borussia Dortmund hat er mit den Hamburgern gewonnen. Auch beim bisher letzten Sieg im Westfalenstadion (0:3, 25. September 2007) war er dabei. In der MOPO spricht der „Maestro“ exklusiv über den BVB, sein Formtief, Kopfprobleme und seinen 30. Geburtstag.


MOPO: Die Niederlande haben am Mittwoch in Amsterdam gegen Italien (1:1, d. Red.) gespielt. Sie haben es nur vor dem Fernseher verfolgt. Waren Sie genervt?
Rafael van der Vaart: Ich wäre gern dabei gewesen, keine Frage. Aber unser Trainer Louis van Gaal hatte diesmal andere Pläne. Ich hoffe, dass ich beim nächsten Mal dann wieder zum Aufgebot gehören werde.


Immerhin konnten Sie so die Zeit nutzen, um in Hamburg zu arbeiten. Richtig rund lief es zuletzt ja nicht.
Die ersten beiden Spiele waren gut, das dritte schlecht. Diese Aufs und Abs ziehen sich bislang bei uns durch die Saison. Das ist leider so.


Ihr Trainer sagte kürzlich, dass Sie nach Ihrer Verletzung noch nicht wieder bei 100 Prozent sind. Was fehlt denn noch?
Die Fitness bei mir ist gut. Aber natürlich spielt auch der Kopf eine Rolle. Es ist zuletzt viel bei mir passiert. Außerdem gehört letztlich auf dem Platz auch ein bisschen Glück dazu. Die Leute meckern schnell, wenn ich mal nicht an einem Tor beteiligt bin.


Das ist auch immerhin schon sieben Spiele in Folge so ...
Ja, aber es ist ein Mannschaftssport. Ich laufe und arbeite viel auf dem Platz. Das gehört auch zu meinem Spiel. Natürlich würde ich gern mal wieder ein Tor schießen. Aber so lange wir gewinnen, ist es kein Problem für mich, wenn ich nicht selbst einen Treffer erziele.

Sie haben es angesprochen: Auch der Kopf spielt eine Rolle. Wie bewerten Sie den Rummel um Ihr Privatleben?
Es ist zum Glück schon weniger geworden. Darum möchte ich gar nicht darüber sprechen. Jeder, der so etwas erlebt hat, weiß, dass man den Kopf nicht komplett ausschalten kann. Das gilt auch für mich. Im Moment geht es mir gut. Das ist wichtig.

Zurück zum Fußball. In Dortmund haben Sie mit dem HSV bislang noch nie verloren.

Das stimmt – es war aber auch nur ein Spiel. Und das ist schon ein paar Jahre her. Dortmund hat heute ein ganz anderes Team als damals. Borussia ist auf Augenhöhe mit dem FC Bayern. Der Klub hatte in den zurückliegenden Jahren einen klaren Plan, die Mannschaft hat eine unglaubliche Entwicklung gemacht. Das ist sehr beeindruckend. Es wird für uns eine große Herausforderung. Chancenlos sind wir aber trotzdem nicht, das hat man schon im Hinspiel gesehen. Auch, wenn wir da viel Glück hatten.


Sehen Sie Dortmund als Vorbild an, lässt sich in Hamburg ein ähnlicher Weg einschlagen?
Natürlich geht das. Aber dafür benötigt man auch Glück, Zeit und Ruhe. Das ist in Hamburg schwierig, denn es ist eigentlich immer eher unruhig. Am Anfang der Saison waren wir noch Abstiegskandidat Nummer eins. Als wir uns dann unten herausgekämpft hatten, wurde direkt ein Europapokal-Platz erwartet. So schnell geht das einfach nicht. Natürlich hätten es Stadt und der Verein verdient. Aber man muss auch realistisch sein.

Am kommenden Montag steht ein ganz großer Tag für Sie an: Sie werden 30 Jahre alt.
Oh ja, ich bin ein alter Sack!

Haben Sie Angst vor dieser „Grenzüberschreitung“?
Nein, aber als Fußballer denkst du schon ein bisschen daran, dass der größte Teil der Karriere bereits hinter einem liegt. In erster Linie freue mich auf meinen Geburtstag. Ich habe in meiner Karriere bislang viel erlebt und bin deutlich reifer geworden. Manchmal bin ich aber auch noch wie ein kleiner Junge.


Wie lange wollen Sie denn im Profibereich Fußball spielen?
Da gibt es kein bestimmtes Alter. Ich bleibe so lange dabei, wie es möglich ist. Ich fühle mich zurzeit noch sehr gut, habe einfach Spaß am Fußball. Und das soll noch lange so bleiben.


Beim HSV gibt es bereits Pläne, dass sie nach Ihrer Karriere weiter eingebunden werden sollen.
Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Der HSV ist mein Verein. Ich werde mit Hamburg und diesem Klub immer verbunden sein. Für konkrete Planungen ist es aber noch zu früh.

Rafas Statistik: Noch fehlt die Effektivität

Bei 14 Einsätzen stehen für den „Maestro“ ein Treffer und fünf Torvorlagen in der Statistik Zahlen lügen nicht, heißt es. Doch sie sagen nicht immer alles über den Wert eines Spielers für seine Mannschaft aus. „Rafael ist der entscheidende Faktor für unser Team“, sagt Trainer Thorsten Fink, und Sportchef Frank Arnesen betont: „Mit ihm an der Seite wachsen seine Nebenleute.“ Doch die Werte sind alles andere als berauschend.


TORE: In 14 Einsätzen gelang dem Niederländer in dieser Saison erst ein Treffer – beim 2:2 in Mönchengladbach am 26. September 2012.
TORVORLAGEN: Immerhin fünf Hamburger Tore bereitete der „Maestro“ vor, allesamt in der Hinrunde: In Frankfurt (1), gegen Meister Dortmund (2), Hannover (1) und in Augsburg (1). Die letzte Beteiligung an einem Treffer feierte van der Vaart am 26. Oktober, sieben Mal in Folge ging er zuletzt leer aus.
PÄSSE: Bislang hat der Mittelfeld-Regisseur 615 Pässe gespielt, 83,7 Prozent davon erreichten einen Mitspieler. Ein starker Wert.
ZWEIKÄMPFE: Van der Vaart stürzte sich 270 Mal in die Duelle Mann gegen Mann, nur 37,4 Prozent gewann er.