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MOPO.de | Finanzexperte analysiert: So kaputt ist der HSV
08. January 2014
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Finanzexperte analysiert: So kaputt ist der HSV

Der HSV kämpft mit einem hohen Schuldenberg.

Der HSV kämpft mit einem hohen Schuldenberg.

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Imago

Anlage- und Umlaufvermögen, liquide Mittel, Sonderposten, Rückstellungen. Wer blickt da noch durch? Der HSV hat seinen Mitgliedern die Konzernbilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt. Die MOPO fragte den renommierten Hamburger Steuerberater und Insolvenzverwalter Hans-Jürgen Beil: Wie kaputt ist der HSV?

Besonders alarmierend erscheint die Zahl, die beim Stichwort „Verbindlichkeiten“ unter dem Strich steht: 99,58 Millionen Euro! „Das sind in der Tat feststehende Schulden“, sagt Beil. Dabei handelt es sich allerdings nicht insgesamt um kurzfristige Fälligkeiten. „Fast 40 Millionen Euro sind noch an Kreditinstitute zurückzuzahlen, die den Stadionbau betreffen.“ Diese sind erst 2018 fällig.

Viele Fans fragen sich: Muss der HSV etwa Insolvenz anmelden? Beil: „Aus heutiger Sicht nicht, weil die Tilgung der Verbindlichkeiten offensichtlich geregelt ist. Sie fußen aber auf Einnahmen, die erst erzielt werden müssen. Und darin liegt eine große Gefahr. Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, ist das ein zu befürchtendes Szenario.“

Der Verein hat zum dritten Mal in Folge einen großen Verlust erwirtschaftet – nach 4,9 Millionen Euro (2010/11) und 6,6 Millionen Euro (2011/12) sind es im abgelaufenen Geschäftsjahr fast zehn Millionen Euro gewesen. Beil: „Und der aktuelle Verlust wäre sogar doppelt so hoch, wenn die Summe nicht durch den einen oder anderen Taschenspielertrick nahezu halbiert worden wäre.“

Die finanzielle Schieflage versetzt auch die Angestellten, in erster Linie die Trainer und Profis, in Angst und Schrecken. Kann der HSV überhaupt die Gehälter der Stars pünktlich bezahlen? „Derzeit ja, denn die liquiden Mittel decken den laufenden Bedarf. Das heißt, die Einnahmen aus dem Spielbetrieb, also zum Beispiel durch den Ticketverkauf, reichen aus, um diesen zu sichern.“

Der HSV ist noch nicht untergegangen, steht aber kurz davor, meint Beil: „Die absolute Verschuldung ist eine große Gefahr – wenn die sportliche Zukunft nicht positiv gestaltet wird. Es müssen dringend Einnahmen generiert werden. Sei es durch Verkäufe von Spielern, durch eine Tingeltour nach Indonesien oder eben durch die Zuwendungen von Gönnern des Vereins.“