Die Pflicht gelang zumindest teilweise, am kommenden Wochenende soll die Kür folgen. Durch das 0:0 in Mainz blieb der HSV auch im achten Spiel in Folge ungeschlagen und näherte sich weiter der 20-Punkte-Marke – die gilt es nun gegen Augsburg zu überspringen.
Es war für Thorsten Fink mal wieder an der Zeit, zu relativieren. So, wie es die Profis zuvor auf dem Platz getan hatten. Chancen hüben wie drüben, etwas Pech aber auch reichlich Dusel – ein 0:0 eben, mit dem man zufrieden sein musste. „Wir sind nun mal noch nicht in der Lage, permanent wie ein Europa-League-Aspirant zu spielen“, erklärte der Trainer dann auch beschwichtigend. „Aber wir haben erneut einen Punkt geholt und einen Konkurrenten auf Abstand gehalten. Wir sind auf einem guten Weg, den gesicherten Mittelfeldplatz zu erreichen, den wir haben wollen.“
Zur Bewerkstelligung diese Ziels gehören dann eben auch Partien wie in Mainz. Ein Spiel, „bei dem sich beide Mannschaften nicht mit Ruhm bekleckert haben“, wie HSV-Abwehrmann Dennis Aogo befand. „Das war jetzt nicht so der große Fußball-Nachmittag für die Fans.“ Dabei sah es zunächst so aus, als würde zumindest der Hamburger Anhang unter den 34.000 Besuchern glücklich nach Hause fahren können.
Der HSV kontrollierte das Spiel, guckte sich den Gegner förmlich aus – verpasste aber den entscheidenden Punch. Jansen (16.) besaß die zunächst beste Chance, scheiterte auch kurz vorm Wechsel an Wetklo (42.). Dazwischen aber, und das ist dem HSV anzulasten, ließ er sich die Partie ohne erkennbaren Grund aus der Hand nehmen. Pospech (31.), Caligiuri (32.), Malli (34.) und Ivanschitz (42.) scheiterten aussichtsreich. Die Nachlässigkeiten des HSV wären beinahe bestraft worden.
Es blieb ein fehlerhaftes Spiel, das am Ende beide für sich hätten entscheiden können. HSV-Keeper Drobny war gegen Ivanschitz (51.) und Choupo-Moting (88./90.) auf dem Posten, zudem knallte der Ex-Hamburger freistehend drüber (75.). Für den HSV vergab Ilicevic die wohl größte Chance des Spiels (77.), als er aus wenigen Metern mit rechts flach vorbei schob.
Fink empfand das Unentschieden als „gerecht, ich bin auch zufrieden damit“. Und es bleibt dabei: Seit der Trainer beim HSV ist, bleibt Hamburg unbezwingbar. Sieben Bundesligaspiele und ein Pokalerfolg stehen nun auf Finks Zettel, nur Bruno Labbadia (zehn Partien in der Saison 2009/10) blieb nach seinem Amtsantritt länger ungeschlagen.
Zahlen, die Fink wenig interessieren. Er setzt auf eine andere Ziffer – den Dreier! „Gewinnen wir jetzt gegen Augsburg“, so der Trainer, „setzen wir uns richtig von unten ab. Dann ist das Abstiegsgespenst wirklich verschwunden.“ Wer hätte vor wenigen Wochen gedacht, dass es so schnell gehen könnte?
Dennis Diekmeier marschierte nach Abpfiff mit bandagiertem linken Oberschenkel in die Kabine. Ist es etwas Schlimmeres? „Ich habe einen Schlag auf den Muskel bekommen“, erklärte der Rechtsverteidiger. Beim HSV hoffen sie auf schnelle Genesung.
Alle Tage wieder kommen die HSV-Anhänger in die Auswärtsstadien und erfreuen sich am Zünden bengalischer Feuer. Als das Treiben in Mainz Anfang der zweiten Hälfte trotz Ermahnung kein Ende fand, verdarb der Stadionsprecher den Spaß auf seine Weise: „Liebe Gästefans, das ist echt nicht gut, im Gegenteil – es ist einfach nur scheiße …“
Dennis Aogo transportiert seine vier gelben Karten tapfer Richtung Winterpause, blieb auch in Mainz vom fünften Karton verschont. Auch der verletzte Michael Mancienne hat vier Kärtchen auf seinem Konto, müsste beim nächsten Mal eine Partie aussetzen.
Eine noch weitere Anreise hatte Carsten Wehlmann. Der Ex-HSV- und St.Pauli-Keeper kam in seiner Funktion als Scout von Holstein Kiel nach Mainz. Die „Störche“ treffen am 21. Dezember im Pokal-Achtelfinale auf den FSV.
Am Sonntag bittet Thorsten Fink um 10 Uhr zum Auslaufen an die Arena.