Es war alles angerichtet für einen richtig schönen Nachmittag. 21 Zähler hätte der HSV auf seinem Konto haben können, ganze fünf Punkte wären es zu den Europa-League-Rängen gewesen. Das Problem: Der HSV erfüllte seine Pflichtaufgabe nicht – und patzte daheim beim 1:1 (0:0) gegen Augsburg.
Pfiffe zum Abpfiff, das gab es im Volkspark lange nicht mehr. Chancen noch und nöcher vergab der HSV gegen den Aufsteiger, „neun oder zehn hundertprozentige“, wie Kapitän Heiko Westermann befand. Und doch kehrte Ernüchterung ein. Mit einem Sieg hätte der Traum von Europa langsam und sanft beginnen können. Die graue Realität: Der HSV muss weiterhin aufpassen, was in der Tabelle hinter ihm passiert, könnte am Abend gar nur noch einen Punkt von Relegationsplatz 16 entfernt sein.
Ein eigenartiger Nachmittag mit merkwürdigem Beigeschmack. Wie war dieser Auftritt nur einzuordnen, daran schieden sich die Geister. „Ich bin zufrieden mit der Leistung“, erklärte Trainer Thorsten Fink, „das Einzige, was ich kritisiere, ist die Chancenverwertung.“ Zurecht, denn die war ausschlaggebend. Aber man muss vom HSV nicht einfach erwarten, dass er solch einen Gegner besiegt? Egal wie?
„Wir hätten das schon in der ersten Hälfte regeln müssen“, befand Westermann. Ilicevic (7.), Petric (per Fallrückzieher/15.), Guerrero (29.) Kacar (43.) sowie erneut Petric und llicevic per Doppelchance (45.) hätten treffen können, wenn nicht müssen. Stattdessen ging der Schuss voll nach hinten los. Augsburg, dass wie ein Zweitligist auftrat, der sich zufällig in die erste Liga verirrt hat, kam durch Mölders’ Drehschuss aus dem Nichts zur Führung (63.). Schockstarre im Volkspark. Das hatten sich die 48.143 Fans anders vorgestellt.
Es spricht für den HSV, dass er zügig zurückkam – und zum neunten Mal in Folge in der Bundesliga ungeschlagen blieb. Guerreros Kopfball nach Aogos Freistoß senkte sich ins lange Eck (66.) – das 1:1 und zumindest ein Zähler. Der Peruaner hätte gar noch zum Helden werden können, köpfte aber zunächst vorbei (82.), fand dann im starken FCA-Keeper Amsif seinen Meister (90.+1). „Am Ende muss man froh sein, dass es zumindest ein Punkt geworden ist“, bilanzierte Dennis Aogo. Zumal Baier für Augsburg aussichtsreich vergab (72.).
So sind es 19 anstatt der erhofften 21 Punkte, mit denen der HSV in die Winterpause geht. Mehr, als vor Wochen zu erwarten war – aber dann eben doch weniger, als für höhere Ziele nötig wären. Es bleibt eine komplizierte Saison für den HSV. Ein Pokalerfolg am Mittwoch in Stuttgart könnte dennoch für richtig ausgelassene Stimmung unterm Weihnachtsbaum sorgen.
"Wir hatten viele Chancen, mussten schon in der ersten Hälfte in Führung gehen – und dann fällt aus dem Nichts das 0:1. Am Ende musst du froh sein, dass du so ein Spiel nicht verlierst. Augsburg spielt eine Manndeckung, die laufen dir quer über den Platz hinterher – sowas habe ich lange nicht mehr erlebt. Aber der Punkt gibt ihren Mitteln recht."
"Amsif hat klasse gehalten und drei Bälle von der Linie geholt. Das Resultat ist enttäuschend, denn Augsburg war nur aufs Zerstören aus. Wir können uns in jedem Bereich verbessern, sind aber dennoch auf einem guten Weg."
"Wir hatten neun, zehn 100-prozentige Chancen, davon müssen wir einige einfach nutzen. Und dann fällt so ein Kullertor gegen uns und wir können froh sein, am Ende nicht verloren zu haben."
"Das ist ein bitteres Resultat. Ich bin traurig, dass wir uns nicht mit einem Sieg von unseren Fans verabschieden konnten."
"Ich bin sehr enttäuscht über das Ergebnis – weil es ein gutes Spiel unserer Mannschaft war. Aber wir haben nach dem 0:1 gut reagiert. Es ist nicht leicht, wenn du so viele Chancen vergibst und dann in Rückstand gerätst. Ich denke trotzdem nicht, dass wir jetzt in der Tabelle nach unten schauen müssen – ich gucke nach oben! Weil ich sehe, wie gut die Mannschaft Fußball spielt und dass wir uns immer weiter verbessern."
Marcus Berg bleibt das Pech treu. Gerade hatte der Schwede seinen Muskelfaserriss überstanden, nun brach er sich bei seinem Comeback das Schlüsselbein. Noch am Abend ging es für ihn ins AK Altona.
Am Sonnabend fehlte Marcell Jansen im Kader, am Mittwoch beim Pokal-Kick in Stuttgart wird er wieder dabei sein. Nachdem der Linksfuß unter der Woche Leistenprobleme hatte, wollte Trainer Thorsten Fink „kein Risiko eingehen. Zumal das Spiel in Stuttgart ja auch über 120 Minuten gehen könnte.“
Fink ist am Sonntag ab 18 Uhr zu Gast bei NDR 90,3, zieht im Gespräch mit Britta Kehrhahn seine Hinrundenbilanz. Etwas später (ab 22.45 Uhr) steht Mladen Petric im NDR-Fernsehen Rede und Antwort.
Ohne Winterpause startet Tolgay Arslan durch. Zunächst nimmt sich der lange am Knöchel verletzte Offensivmann in Paderborn einen Privattrainer, ab dem 27. Dezember schuftet er dann an der Arena. Wird sich lohnen, denn: „Im Trainingslager in Marbella (ab 4. Januar, die Red.) werde ich endlich voll mit dem Team trainieren können!“
Dennis Aogo hat's geschafft. Auf keinen Fall wollte er sich die fünfte Gelbe Karte fangen – gesagt, getan. Mit weiterhin vier Verwarnungen ist er auch zum Rückrundenstart gegen Dortmund (22.1.) dabei.
Pech für die „Zwote“. Das von Rodolfo Cardoso trainierte Regionalliga-Team fing sich in Meuselwitz eine Minute vorm Ende den 2:2-Ausgleich ein. Die HSV-Treffer erzielten Ofosu (37.) und Kocabas (41.).
Am Sonntag bittet Fink seine Profis um 10 Uhr zum Training an die Arena.