Das Herz macht Sprünge, wir fühlen uns wie im siebten Himmel. Die Liebe verdreht uns den Kopf. Wir schwören ewige Treue, leiden, wenn wir getrennt vom Partner sind. So ist das. Aber bleibt das auch so? Nein, sagen Zukunftsforscher. Und skizzieren ein Horrorszenario für Romantiker.
Das Zukunfts-Institut Kelkheim forscht unter anderem für die Wirtschaft nach neuen Trends. Die Wissenschaftler werten Umfragen, Statistiken und frühere Entwicklungen aus. Jetzt also die Liebe. Sie wird demnach immer mehr zur persönlichen Verhandlungssache.
Ohne Treue, mit mehreren Partnern und vertraglich verhandeltem Sex. „Traditionelle Partnerschaften und Rollenbilder spielen eine immer geringere Rolle“, heißt es in der Studie. Und weiter: „Dafür werden Beziehungen, die vertraglich vereinbart sind, Gelegenheits-Sex ohne gegenseitige Verpflichtung oder Sex nach Terminkalender immer häufiger Anklang finden.“
Scham, Gewissensbisse? Alles ein alter Hut
„Moralvorstellungen, wie sie beispielsweise von den Kirchen geprägt werden, lassen kontinuierlich nach“, glaubt Andreas Steinle, einer der Wissenschaftler. Mit der Folge, dass Liebespraktiken, die lange als Sittenverfall gebrandmarkt wurden, als völlig normal bewertet werden.
Und was ist mit Treue?
In Zukunft auch nicht mehr so wichtig. „Seitensprünge verlieren immer stärker das Stigma des Betrügens und moralisch Verwerflichen“, schrieben die Forscher schon vor Jahren in einer anderen Studie. Vor allem Menschen „in der Mitte ihres Leben“ werden „liberaler, versöhnlicher und weniger dogmatisch“ mit Seitensprüngen umgehen.
Mal geht die Post ab. Oder es herrscht tote Hose
Also Vorfahrt für die freie Liebe? Nicht unbedingt. Einerseits, so die Forscher, werden polyamore Beziehungen, also die Duldung mehrerer Intim-Partner, immer verbreiteter. Andererseits werde es mehr Paare geben, die ganz auf Sex verzichten, und doch in einer festen (aber asexuellen) Beziehung leben. Klösterliche Enthaltsamkeit ohne jedes Gelübde.
Es geht auch ganz anders
Wenn schon keine feste Partnerschaft, dann doch wenigstens freundschaftliche Vertrautheit – mit gelegentlichem Sex. Oder noch unverbindlicher: das „Casual Date“. Unkomplizierter Gelegenheits-Sex „ohne moralische, häusliche oder finanzielle Verpflichtung“, so die Studie.
Der Sex und der Stress
In Zeiten von hoher Arbeitsbelastung, Kindererziehung, Pflege und Zeitmangel bleibt wohl nur Sex nach dem Terminkalender. Intime Stunden zu festen Terminen. Der Geschlechtsakt wird geplant. Das, so sagen die Forscher, werde in Zeiten hoher Mobilität „schon heute von Psychotherapeuten empfohlen, um verloren gegangene innige Intimität zurückzuerlangen“.
Turbo-Entwicklung dank Internet-Kontakten
Dank des Internets wird sich in Sachen Liebe, Sex und Partnerschaft vieles schneller ändern, als wir glauben. Menschen mit ihren „verschiedenen und bisweilen speziellen Neigungen“ könnten so leichter ihre potenziellen Partner finden. Das Internet wirke bei der Entwicklung neuer Beziehungsgeflechte „wie ein Verstärker“, so Steinle. Schon heute, so die Studie, finden fast 25 Prozent der Deutschen ihren Partner über ein Single-Portal. Was vor allem intellektuellen Frauen nütze. Die, so erklärt Steinle weiter, fordern mit der Gleichberechtigung nun auch das Recht auf erotische Selbstbestimmung ein.
Und die ganz normale Paarbeziehung?
Christliche Moralvorstellungen verlieren zwar immer mehr an Wert, doch die traditionelle Zweierbeziehung, die Ehe mit Jawort und Trauschein, bleibt erhalten. Als, so Steinle, „vorherrschendes Modell – aber längst nicht mehr in dieser Dominanz“.
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