Open-Air-Gerichtssitzung vor dem Restaurant „Herbstprinz“ im Alten Land: Das Stader Landgericht besuchte gestern den Tatort der Messer-Attacke auf den Wirt Andreas S. (51). Seine Ex-Freundin, eine der Angeklagten, betrat ihr früheres Zuhause mit rotgeweinten Augen.
Das Paar, das eine gemeinsame Tochter hat, blickt starr aneinander vorbei. Andreas S., der das Verfahren als Nebenkläger verfolgt, hat seine Ex-Freundin schwer belastet. Sandra T. (36) und ihr Geliebter (31) hätten ein Mord-Komplott gegen ihn geschmiedet, hatte er der Polizei gesagt. Inzwischen geht das Gericht davon aus, dass der Liebhaber Kevin W. den Mordplan allein ausgeheckt hat. Der Koch soll auch auf den schlafenden Wirt eingestochen haben.
Der kahlköpfige Koch wird in Handschellen und Fußfesseln durch das idyllische Fachwerk-Ensemble geführt. Er ist der einzige der sechs Angeklagten, der noch in Haft sitzt. Sandra T. und die vier jungen Männer, die für den Mordversuch angeblich angeheuert wurden, sind auf freiem Fuß.
Sie hatten dem Gericht geschildert, dass sie dem Wirt „nur eine Abreibung“ verpassen wollten. Als der Koch auf den Schlafenden einstach, seien sie weggelaufen. Der Koch bestreitet, dass er in dem Schlafzimmer seines Nebenbuhlers war. Er habe die vier Schläger zwar angeheuert, sei aber nicht mit in das Haus gegangen. Weil er schon so viele verschiedene Tatversionen geschildert hat, glaubt das Gericht ihm nicht.
Kevin W. schreibt Sandra T. aus dem Gefängnis sehnsüchtige Briefe, sucht beim Ortstermin ihre Nähe. Sie hält sich abseits, wischt sich immer wieder Tränen aus dem Gesicht. Der Tatort war einmal ihr Zuhause. Sie hat das Restaurant mit ihrem Ex-Lebensgefährten geführt, dann ein Verhältnis mit dem Koch begonnen. Ihre Tochter lebt nun mit dem Vater in dem Häuschen neben dem „Herbstprinzen“, das Restaurant ist verpachtet.
Hintergrund des Ortstermins: Das Gericht will sich ein Bild machen von angeblichen Fluchtwegen und dem Schlafzimmer des Opfers. Der Koch will sich am Ende von Sandra T. verabschieden, sie blickt in die andere Richtung, als der Polizeiwagen vom Hof fährt.