Eine Packung Kekse haben Lüneburger Gerichte seit nunmehr acht Prozesstagen auf dem Richtertisch – und ganz schön daran zu knabbern. Es geht um einen Wagenburgler, der aus der Mülltonne einer Großbäckerei abgelaufene Spekulatius fischte. Weil er dazu das Firmengelände betrat, wurde er wegen Hausfriedensbruchs verklagt.
Es war im August 2010, als Karsten Hilsen (52) mitten in der Nacht seine übliche Runde dreht, die bei ihm „containern“ heißt. Der Mann ohne Einkünfte oder Stütze („Ich will kein Geld vom Staat“) lebt von Lebensmitteln, die Supermärkte und Bäckereien in den Müll werfen. Als Hilsen das Gelände der Scholze-Confiserie verlassen will, wird er gestellt.
Der Fall landet vorm Amtsgericht. Dort wird seine Wahlverteidigerin vom Gericht abgelehnt, weil sie ihr Rheuma am Ausüben ihrer Aufgabe hindern könnte. So verteidigt sich der Ex-Jurastudent selbst – inklusive seitenlanger Beschwerden, Anträge auf Pausen und Befangenheit der Richterin sowie der Frage, wem Kekse im Müll gehören. Am Ende wird er zu 125 Euro Geldstrafe verurteilt. Doch Hilsen will kein Krimineller sein, geht in Berufung.
In der zweiten Instanz bietet ihm die Staatsanwaltschaft an, die Anklage fallen zu lassen – wenn er ein Geständnis ablegt. Doch der Protestler gegen die Wegwerfgesellschaft lehnt ab. „Ich habe kein Unrechtsbewusstsein, wenn es darum geht, Sachen vor der Vernichtung zu bewahren“, erklärt er.
Dienstag forderte der Pflichtverteidiger erneut die Einstellung des Verfahrens, weil ja kein Schaden entstanden sei. Falls nicht, wolle man noch mögliche Zeugen suchen lassen - mit Hilfe von Interpol und BKA.