Blutige Revierkämpfe zwischen Rockerbanden haben im Norden immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Mit den „Hells Angels“ in Kiel wurde jetzt erneut eine Rocker-Organisation verboten. Die Polizei rückte am Dienstagmorgen mit einem Großaufgebot zu einer Razzia aus.
Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU) hat am Dienstag die „Hells Angels“ in Kiel verboten. Zeitgleich startete die Polizei Durchsuchungen von Wohnungen von Funktionsträgern des Vereins sowie des Treffpunktes der „Hells Angels“ in Kiel. Die Verbotsverfügungen seien den 25 überwiegend in Kiel wohnenden Vereinsmitgliedern am Morgen zugestellt worden, teilte das Innenministerium mit.
Die „Hells Angels“ wurden 1948 in Kalifornien gegründet – angeblich von Weltkriegs-Veteranen. In den 60er Jahren expandierte die Rockerbande weltweit. 1973 wurde das erste deutsche „Charter“ in Hamburg gegründet. Hier ist der Club aber nach diversen Verbrechen seit 1983 verboten. Nach Dutzenden Mordanschlägen und Schießereien vor allem im Berliner Raum und in Norddeutschland drohte den Höllenengeln im vergangenen Jahr ein bundesweites Verbot. Prompt kam es in Hannover zu einem medienwirksamen Friedensschluss zwischen Hells Angels und den konkurrierenden „Bandidos“. Seitdem gilt ein Waffenstillstand, der bisher auch beachtet wird.
Der Verein „Hells Angels“ in Kiel verfolge das Ziel, Gebiets- und Machtansprüche auf dem kriminellen Sektor gegenüber verfeindeten Rocker-Organisationen wie den „Bandidos“ und den „Mongols“ durchzusetzen, begründete Innenminister Schlie das Verbot. Auf das Konto des Vereins gingen Gewalttaten, unerlaubter Waffenbesitz, Straftaten im Zusammenhang mit der Prostitution und dem Betäubungsmittelgesetz.
Nach dem Verbot der „Hells Angels“ Flensburg und der „Bandidos“ Neumünster im April 2010 ist dies das dritte Vereinsverbot im Kampf gegen Rockerkriminalität. „Die Zeit für ein weiteres Verbot war reif“, sagte Schlie. Das Verbot der „Hells Angels“ Kiel gehöre zu der Null-Toleranz-Strategie gegen das kriminelle Rockermilieu. Der Rechtsstaat dulde keine kriminellen Parallelgesellschaften.
Rund 300 Polizeibeamte, darunter das Spezialeinsatzkommando (SEK), rückten am frühen Morgen aus, um sieben Wohnungen von Funktionsträgern sowie den Treffpunkt der „Hells Angels“ in Kiel, eine Gaststätte in der Nähe des Hafens, zu durchsuchen. Die Aktion diene der Feststellung und Beschlagnahme des Vereinsvermögens, hieß es.
In den vergangenen Jahren hatten blutige Auseinandersetzungen verfeindeter Rockergruppierungen immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Vor allem die Revierkämpfe zwischen „Hells Angels“ und „Bandidos“ hatten die Behörden auf den Plan gerufen.
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