Sie wollte ihren Freund loswerden, schickte Andreas S. (51) vier Auftragsmörder auf den Hals. Keine vier Monate nach der Attacke ist Sandra T. (35) jetzt aus der Stader Untersuchungshaft entlassen worden. Ihre erste Tat: Sie holt die gemeinsame Tochter (6) aus einem Kinderhort. Andreas S. spricht von Entführung. Kurz darauf brennt ihr Traditionslokal „Altländer Hof“ ab. Das nicht in Betrieb befindliche Restaurant sollte zwangsversteigert werden.
Andreas S. ist fassungslos. Als er am vergangenen Montag seine Tochter aus dem Kinderhort „Tintenklecks“ in Jork (Landkreis Stade) abholen will, ist das sechsjährige Mädchen weg. Abgeholt von ihrer Mutter Sandra T. Von der Frau, die – wie er glaubte – in Untersuchungshaft sitzt. Seitdem hat er seine Tochter nicht mehr gesehen.
Sandra T. (35) hatte Ende März gemeinsam mit ihrem Liebhaber Marc-Kevin W. (31) ihrem Ex vier Auftragsmörder auf den Hals gehetzt – 5000 Euro sollten die Männer für den Mord bekommen. Mitten in der Nacht standen die Täter an Andreas S.s Bett, stachen auf ihn ein. Er überlebte knapp.
Mutmaßliches Motiv des Paares: Habgier, wie S. glaubt. Ihm und Sandra T. gehört der „Herbstprinz“. Ihr Liebhaber W. war Koch in dem Jorker Restaurant. Offenbar wollten sie das beste Haus am Platz für sich allein.
Jetzt sind Sandra T. und Marc-Kevin W. sowie zwei ihrer Komplizen wieder frei. Auch die beiden anderen Täter könnten in Kürze entlassen werden. Grund: Die Stader Gerichte gehen aufgrund der Ermittlungen davon aus, dass es sich um gefährliche Körperverletzung, Raub beziehungsweise um Anstiftung dazu und nicht um versuchten Mord handelt, so eine Sprecherin. Somit gebe es keine Haftgründe.
Die Staatsanwalt Stade hat Beschwerde gegen die Entscheidung eingereicht: „Die Beschuldigten gehören in U-Haft, bis Anklage erhoben wird“, sagt Sprecher Kai Thomas Breas.
Der Hort, der Sandra T. das Mädchen gab, sei sich der Brisanz klar gewesen. Er habe sich beim zuständigen Jugendamt erkundigt, ob er das Mädchen der Mutter mitgeben dürfe, so Kai Thomas Breas. Der zuständige Landrat Michael Roesberg sagt dagegen: „Wir haben den Hort nicht angewiesen, das Kind an die Mutter zu geben.“
Eine Woche nach der Freilassung T.s brannte nun der „Altländer Hof“ in Jork nieder. Das denkmalgeschützte Gebäude hatte Sandra T. 2008 für 100000 Euro ersteigert. Nach MOPO-Information hat sie bis heute jedoch keinen Cent bezahlt. „Am 10. August sollte es zwangsversteigert werden“, sagt Jürgen Wolfram vom Amtsgericht Buxtehude.
Sandra T.s Anwalt Helmut Schmitt findet es verdächtig, dass das Haus jetzt abgebrannt ist. Einen Verdacht wollte er nicht äußern. Ob es Brandstiftung war, ist noch unklar. Polizeisprecher Rainer Bohmbach: „Die Brandermittler können das Haus erst in einigen Tagen untersuchen.“ Fest steht: Das Versicherungsgeld wird an den Gläubiger fließen, die Sparkasse Harburg-Buxtehude.
Seine Tochter hofft Andreas S. heute wiederzusehen, wenn das Familiengericht Buxtehude über das Sorgerecht entscheidet. Während Sandra T.s Anwalt sich für seine Mandantin zuversichtlich zeigt, wünscht sich S. nur eins: „Ich will meine Tochter endlich wiederhaben.“