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Diagnose: Hat mein Kind ADHS?

Bei Kindern und Jugendlichen wird zu häufig das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) diagnostiziert.

Bei Kindern und Jugendlichen wird zu häufig das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) diagnostiziert.

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Getty

Der Junge kann sich nicht konzentrieren. Er ist sehr unruhig, hyperaktiv und hat plötzliche Wutanfälle – der Arzt diagnostizierte das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS). Doch hat das Kind wirklich ADHS? Die ADHS-Diagnose ist inflationär geworden, kritisieren Wissenschaftler.

Bei Kindern und Jugendlichen wird zu häufig das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) diagnostiziert. Das haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Basel erstmals mit repräsentativen Daten belegt. Danach fällen Psychotherapeuten und Psychiater ihr Urteil eher anhand von Faustregeln, statt sich eng an die gültigen Diagnosekriterien zu halten.

Doch was sind die Diagnosekriterien? Dr. Tom Bschor, Chefarzt der Schlosspark-Klinik in Berlin: „ADHS beginnt in der Kindheit. Es gibt drei große Merkmale: Aufmerksamkeitsdefizitstörung, motorische Überaktivität und Impulsivität.“

Mindestens sechs Monate müssen solche Symptome auftreten:

Die Kinder haben keine Ausdauer und sind schnell abgelenkt. Sie können sich nicht für längere Zeit konzentrieren. Sie springen von einer Aufgabe zur nächsten.

Sie sind schnell enttäuscht, verlieren schnell die Lust, wenn etwas nicht klappt.

Sie haben Stimmungsschwankungen, sind schnell aufbrausend.

Sie plappern ohne nachzudenken, fallen anderen ins Wort.

Sie sind unruhig und zappelig. Deswegen spricht man oft von Zappelphilipp-Kindern.

Wutanfälle und Trotz sind nur zwei von vielen Begleiterscheinungen bei ADHS, aber keine hervorstechenden Symptome. Eltern müssen also nicht gleich an ADHS denken, wenn ihr Kind immer wieder mal jähzornig reagiert.

Die Diagnose ADHS ist kein Einzelbefund. Sie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen und beinhaltet die Beobachtung durch Eltern, Erzieher und Lehrer und natürlich auch die ärztliche Diagnostik.

Vor der Behandlung mit dem Medikament Ritalin, das dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt und abhängig machen kann, steht ein therapeutisches Gesamtkonzept. Dazu gehören unter anderem eine Psychotherapie und die Änderung von Umweltfaktoren. Das kann eine kleinere Klasse sein, und dass die Eltern Verhaltensregeln konsequent befolgen.