Psychologie
Infos zu Depression, Burn-out, Stress und Sucht sowie Ratgeber zu Partnerschaft und Beziehung

Empfehlen | Drucken | Kontakt Datum: 

Geld, Eifersucht: Warum so viele Fernbeziehungen scheitern

Tränenreiche Abschiede, hohe Fahrtkosten: Fernbeziehungen stellen Pärchen oft auf eine harte Probe.
Tränenreiche Abschiede, hohe Fahrtkosten: Fernbeziehungen stellen Pärchen oft auf eine harte Probe.
Foto: dpa

Wohnt die Liebste weit weg, besteht die Beziehung zu großen Teilen aus Warten - aufs Wochenende, den Anruf oder den Urlaub. Das ist auf Dauer anstrengend. Viele Fernbeziehungen scheitern deshalb. Manche allerdings gerade dann, wenn das Paar endlich zusammenlebt.

Tränenreiche Abschiede am Bahnsteig, Hunderte Euro Fahrtgeld - und am Ende scheitert es doch. Fernbeziehungen stellen Pärchen auf eine harte Probe. Nach Einschätzung von Psychologen scheitern die Beziehungen aber gar nicht an der Ferne - sondern an der Nähe. Denn die schwierige Phase kommt meist erst dann, wenn die Pendelei vorbei ist und die Partner zusammenziehen.

„Es lässt sich viel in Fernbeziehungen verstecken“, sagt Karin Krause, Diplom-Psychologin in Frankfurt. Der Knackpunkt komme dann, wenn man zusammenzieht. Manche Paare müssten ihr Territorium neu abstecken. Allerdings gibt es auch schon vor dem vermeintlichen Happy End jede Menge Fallstricke in Fernbeziehungen:

Das leidige Thema Geld: „Viele jammern, dass die Reiserei so viel kostet. Und dann kommt der Vorwurf: Immer muss ich zu dir fahren“, sagt Paartherapeutin Vera Matt aus Berlin. Auch wenn die Fernbeziehung in eine gemeinsame Wohnung mündet, bleibt das Geldproblem bestehen. Wer zahlt wie viel in die Haushaltskasse? Darüber sollte das Paar so früh wie möglich sprechen.

Auch für Streit und unangenehme Gespräche sollte in einer Fernbeziehung Zeit sein.
Auch für Streit und unangenehme Gespräche sollte in einer Fernbeziehung Zeit sein.
Foto: dpa

Minenfeld Telefonieren: „Sehr konfliktreich sind die Anrufe“, weiß Psychologin Matt aus Gesprächen mit verzweifelten Pärchen. Am Anfang ist alles Friede-Freude-Eierkuchen, mehrmals am Tag wird ins Telefon gesäuselt oder eine verliebte SMS losgeschickt. Spätestens wenn jemand einen Anruf vergisst, fangen die Konflikte an. „Dann werden Telefonate eingefordert, Druck gemacht. Oder sie werden lästig“, warnt Matt. Dabei sei es grundsätzlich wichtig, zu sprechen und sich über den Alltag auszutauschen. Aber man müsse auch verstehen, wenn der Partner müde vom Job ist und einfach das Gespräch verschieben möchte. Ihr Rat: „Diplomatisch, aber ehrlich sagen, dass man keine Lust zum Telefonieren hat.“

Alles ins Wochenende stopfen: Der Versuch, alle Pläne in einem Wochenende unterzubringen, ist laut Matt zum Scheitern verurteilt. Dann erlebe man zwar mit dem Partner lauter tolle Samstage und Sonntage mit exquisiten Ausflügen. „Aber diesen Standard kann ja keiner aufrechterhalten.“ Die Paare sollten nicht versuchen, am Wochenende einen auf heile Welt zu machen. „Das fliegt einem spätestens um die Ohren, wenn man zusammenzieht.“ Wichtig sei, dass auch Zeit für Streit und unangenehme Gespräche ist, sagt Therapeutin Krause.

Sich fremd fühlen: Bei vielen Pendel-Pärchen ist die Nähe über Telefon und SMS oft viel größer, als wenn sich die Partner dann gegenüberstehen. „Freitagabend sind sich dann viele erst mal ziemlich fremd.“ Das sei ganz normal. „Geben Sie sich Zeit zum Beschnuppern“, rät Psychologin Krause. Für die Beziehung ist es laut Matt auch schlecht, wenn sich einer in der Wohnung des Partners wie ein Besucher fühlt und sogar fragt, wenn er sich einen Joghurt aus dem Kühlschrank nehmen möchte.

Zusammenziehen als Bewährungsprobe: Den Wechsel von „Fern“ auf „Nah“ sollten Paare behutsam angehen. „Am besten nicht sofort ins große Wir springen, sondern am Anfang ein bisschen Fernbeziehung beibehalten“, rät Matt. Das bedeutet: Nicht von heute auf morgen alles zusammen unternehmen. Viele seien auch von Macken des Partners überrascht, die sie noch nicht kannten. Etwa, wenn jemand im Alltag ein Morgenmuffel ist. Grundsätzlich sollte sich jeder über seine eigenen Erwartungen im Klaren sein und diese auch deutlich formulieren.

Auch interessant
comments powered by Disqus
Weitere Meldungen Psychologie
Herbst im August: Schuld ist das Sturmtief Wilma. Es bringt Polarluft.

Tschüs Flip-Flops, Badehose, Bikini. Wir haben zwar Hochsommer, doch gefühlt ist längst Herbst. Wir tragen Jacken und feste Schuhe und frieren trotzdem. Auch die Stimmung sinkt gegen Null. Bekommen wir jetzt alle eine Herbst-Depression?  mehr...

Keine Nähe mehr, keine gemeinsamen Themen: Sind die Kinder erwachsen, gibt es für Paare manchmal keinen Grund mehr, zusammenzubleiben.

Eine lange Ehe ist keine Garantie für eine glückliche Beziehung. Auch nach der Silberhochzeit trennen sich noch Paare. Und die Zahl der späten Trennungen nimmt zu. Nicht selten ist ein Partner völlig überrascht, wenn der andere die Scheidung will.   mehr...

Für Körper und Geist: Wandern trainiert den Kreislauf und ist gut für die Psyche.

Nicht nur beim Joggen verliert man ordentlich Kalorien. Beim Wandern werden ähnlich viele Kalorien verbrannt. Vor allem, wenn es bergauf geht. Hat man ein paar Pfunde zu viel, ist die langsamere Fortbewegung ohnehin das gesündere Fitnesstraining.  mehr...

Gesundheit von A-Z

Quelle: Onmeda

Selbsttest
Haarausfall

Berechnen Sie Ihr Haarausfall-Risiko!

Verlieren Sie derzeit mehr Haare als in früheren Jahren bzw. als in Ihrer Jugend?