Sie trinkt Mondwasser, verehrt den Bhagwan-Guru Osho und lässt schon mal in einem Musikvideo orangefarben gekleidete Menschen ekstatisch herumhüpfen – nun ist Popstar Nena ins Visier der Sektenexpertin Ursula Caberta geraten, die solche Esoterik-Promis in ihrem neuen Buch heftig angeht.
Nena sei Aushängeschild der Esoterik-Szene, sie stünde symptomatisch für die „gefährliche Entwicklung des Esoterikmarktes zu einer Mischung aus käuflicher Spiritualität und Ideologie“, so Caberta. Sie stellte ihr „Schwarzbuch Esoterik“ gemeinsam mit Innensenator Michael Neumann (SPD) am Dienstag im Rathaus vor.
Der Esoterik-Markt boomt. Schätzungen zufolge werden hier bundesweit bis zu 20 Milliarden Euro umgesetzt. Vor zehn Jahren noch waren es sechs Milliarden.
Doch nicht nur wirtschaftliche Interessen stehen bei vielen Anbietern im Vordergrund. „Fundamentalistisch ausgelegte christliche Botschaften, menschenverachtende Thesen des New-Age-Zeitalters und das Ausnutzen einer Sehnsucht nach schnellen Lösungen für private oder politische Probleme können den demokratischen Frieden bedrohen“, meint Caberta.
Dass Nena einen Hang zu Esoterik-Mumpitz hat, ist unbestritten. Macht sie das gefährlich? Nein, sagt Caberta. Aber sie mache die Szene salonfähig: „Prominente haben Vorbildfunktion.“
So sei etwa Jürgen Fliege ein „Pastor, der zum Esoteriker mutiert ist und keine Hemmungen hat“. Für 39,95 Euro verkauft der Ex-TV-Pfarrer im Internet eine „Fliege-Essenz“. Auch Hape Kerkeling müsse sich fragen lassen, wie viele Opfer des Psycho-Marktes er mit seinem Jakobsweg-Bestseller produziert habe.
Menschen, die sich zu esoterischen Angeboten hingezogen fühlen, könnten laut Caberta leicht in die Fänge sektenähnlicher Gruppierungen geraten. Deshalb müsse vor selbst ernannten Heilern und Gurus gewarnt werden.
Das Buch, so Innensenator Neumann, sei ein „zentraler Baustein einer Aufklärungskampagne, eine dringend notwendige Provokation“. Caberta, deren „Arbeitsgruppe Scientology“ vor genau einem Jahr aufgelöst wurde, arbeitet nun in der Innenbehörde als Fachreferentin für den sogenannten Psychomarkt.
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