Kuscheltiere auf dem Tisch

So lebte Kindermörder Martin N. in Harburg

Von Olaf Wunder und Rüdiger Gaertner
Noch vor Weihnachten will das Landgericht Stade das Urteil gegen Maskenmann Martin N. verkünden.
Noch vor Weihnachten will das Landgericht Stade das Urteil gegen "Maskenmann" Martin N. verkünden.
Foto: Rüga/RTL Explosiv

Martin N., der Serienkiller. Drei Kinder hat der Mann aus Harburg getötet, wahrscheinlich noch viel mehr. Warum wurde dieser Verbrecher nicht früher gestoppt? Denn Spuren, die zu ihm hätten führen können, gab es mehr als genug.

Spur 1: Die Vermieterin.
„Nett, hilfsbereit, sauber, zuvorkommend.“ So beschreibt Hauseigentümerin Christa R. ihren Mieter. Sie schwärmt, er habe ihr die Milch nach oben getragen, als sie sich die Hand gebrochen hatte. Ihr die Blumen gegossen und den Garten gehütet, wenn sie im Urlaub war … Aber wer nachbohrt, erfährt bald, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. „Am laufenden Band hatte der Kinder in seiner Wohnung. Das war schon seltsam. Einmal habe ich ihn angesprochen, was denn der 12-Jährige tags zuvor bei ihm gemacht habe. Er hat dann behauptet, der sei schon 16.“

Christa R. (76), die Vermieterin, lebte mit Martin N. unter einem Dach.
Christa R. (76), die Vermieterin, lebte mit Martin N. unter einem Dach.
Foto: Rüga

59 Quadratmeter groß ist die Wohnung von Martin N. und geschmackvoll eingerichtet. Darauf, dass er häufig Kinder zu Besuch hatte, deuten zahlreiche Stofftiere hin. Auf dem Wohnzimmertisch liegt beispielsweise ein Eisbär. „Letzte Woche erst hörte ich Geräusche aus seinem Schlafzimmer“, sagt die Vermieterin. „Da war so ein Gestöhne und Gequieke.“ Christa R. gibt zu, dass sie das Verhältnis ihres Mieters zu Kindern ziemlich „unnormal“ fand. Auf die Frage, warum sie darüber nicht auch die Polizei informierte, sagt sie: „Was geht mich an, was der da oben treibt? Mich hat nur interessiert, dass der pünktlich seine Miete zahlt. Das hat er getan. So einen zuverlässigen Mieter bekomme ich doch nie wieder.“

Spur 2: Die Nachbarn.
Wer rund um das Wohnhaus in der Jägerstraße in Harburg nach Martin N. fragt, hört immer wieder das Gleiche: „Wir wussten alle, dass der es mit Kindern treibt.“ Eine Anwohnerin, die direkt gegenüber ihr Appartement hat, sagt, dass sie häufig gesehen habe, wie Kinder zu Martin N. kamen. Jeder habe sich über ihn das Maul zerrissen. Aber unternommen hat von den Nachbarn niemand etwas.

Kindermörder Martin N.

Bildergalerie ( 13 Bilder )
Mehr dazu
Das geschmackvoll eingerichtete Wohnzimmer von Martin N.: teure Ledersessel, Laminatfußboden. Auf insgesamt 59 Quadratmetern lebte der 40-Jährige. Miete: 520 Euro warm. Auf seinem Nachttisch steht noch eine Flasche Babyöl, auf seinem Wohnzimmertisch liegen etliche Kuscheltiere. Nachbarn zerrissen sich das Maul, weil N. regelmäßig kleine Jungen bei sich hatte.
Das geschmackvoll eingerichtete Wohnzimmer von Martin N.: teure Ledersessel, Laminatfußboden. Auf insgesamt 59 Quadratmetern lebte der 40-Jährige. Miete: 520 Euro warm. Auf seinem Nachttisch steht noch eine Flasche Babyöl, auf seinem Wohnzimmertisch liegen etliche Kuscheltiere. Nachbarn zerrissen sich das Maul, weil N. regelmäßig kleine Jungen bei sich hatte.
Foto: Rüga

Spur 3: Die Strafanzeige.
Schon vor sechs Jahren erfuhren Polizei und Staatsanwaltschaft, dass Martin N. hinter Jungs her ist. Eine Mutter zeigte N. an, weil er sich an ihren sechs und acht Jahre alten Söhnen vergangen hatte. Zu einem Prozess kam es nicht. Das Verfahren wurde gegen eine Zahlung von 1800 Euro eingestellt.

Spur 4: Das Verhör.
Im Jahr 2007 geriet Martin N. ins Visier der „Soko Dennis“. N. wurde verhört – aber dabei ergaben sich keine Verdachtsmomente, so Soko-Sprecher Jürgen Menzel. N. trat clever und selbstbewusst auf, vermied es, sich in Widersprüche zu verwickeln. Eiskalt belog er die Beamten. Am Ende ließen sie ihn, den Täter, wieder laufen.

Spur 5: Die Erpressung.
Im Jahr darauf stand wieder die Polizei vor der Wohnung von Martin N. Nachdem die Beamten die Tür eingetreten hatten, erwischten sie ihn mit einem Jugendlichen im Bett. Grund für die Durchsuchung: eine Erpressung. N. forderte von einem Bekannten aus Berlin 20000 Euro, andernfalls werde er kinderpornografische Bilder aus dessen Besitz an Polizei und Arbeitgeber weiterleiten. So die Drohung. Wegen Erpressung wurde N. zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Aber niemand kam darauf, dass er der Serienmörder sein könnte.

Bernhard Witthaut, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), fordert jetzt, dass aus dem Fall Konsequenzen gezogen werden müssten. Er beklagt, dass aufgrund von Personalmangel die Ermittlungsarbeit oft zu schleppend verläuft. „Teilweise werden DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, die als Beweise wichtig sind, erst nach sechs Monaten oder teilweise zwei Jahren bearbeitet und ausgewertet. Das ist für die Täterermittlung und den Abschluss des Verfahrens eindeutig zu lange.“

Auch interessant
Weitere Meldungen Polizei
Symbolfoto

Am Donnerstag ist ein 57-jähriger Transporterfahrer bei einem Unfall auf der A1 nahe Billwerder tödlich verunglückt. Er fuhr vor einem Tunnel auf einen Sattelschlepper auf.   mehr...

Die Welt zu umreisen war ihr großer Traum: Silke G. (63) und Peter H. (61) vor ihrem treuen Begleiter. Den roten VW Crafter hatten sie zum Wohnmobil umbauen lassen.
|  13

Fremde Länder bereisen, andere Kulturen kennenlernen, Abenteuer erleben: Peter H. (61) und Silke G. (63) aus Schnelsen lebten ihren Traum. Auf seinem letzten Trip wurde das Frührentner-Ehepaar kaltblütig erschossen. In Polen – 20 Tage vor der EM.  mehr...

Die Wasserschutzpolizei suchen nach Hinweisen

Dienstagnacht wurden zwei Sportboote an der Lühesander Süderelbe gestohlen. Inzwischen sind die Boote von der Wasserschutzpolizei sichergestellt worden. In den Booten fand die Polizei Blutspuren.   mehr...

Datum:  17.4.2011
Empfehlen: E-Mail
Kontakt: Redaktion
Artikel: Drucken






Barmbek oder Blankenese, Eimsbüttel oder Eppendorf: Machen Sie den Test, welcher Hamburger Stadtteil am besten zu Ihnen passt!

Die besten Hamburg-Tipps

So wird der Kiez-Abend ein Erfolg: MOPO.DE zeigt Ihnen zehn lustige Party-Anwendungen für das Smartphone.

Buli-Cup
Auf Facebook empfohlen
  • 6.374,14 Pkt. +58,25 (+0,92%)
  • 10.271,45 Pkt. +39,93 (+0,39%)
  • 756,93 Pkt. +5,08 (+0,68%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2595 USD +0,0061 (+0,49%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Kinoprogramm
Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:
Kino oder Film suchen
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort
Buli-Cup
TOP-EVENTS IN Hamburg
Abba  Sommer Party 70/80
02. Juni 2012
Factory Hasselbrook
 
SingOut Gospel - Abschlus
26. Mai 2012
Johann-Gerhard-Oncken-Kir
 
Kim Sanders & Band
28. Mai 2012
Fliegende Bauten
 
Bakkushan
28. Mai 2012
Logo
 
Veranstaltungssuche