Mordkomplott im Alten Land

„Meine Freundin schickte mir Killer auf den Hals!“

Von Mira Frenzel und Marius Röer
Andreas S., der Pächter des Restaurants Herbstprinz in Jork: Nur knapp verfehlten die Killer seine Halsschlagader.
Andreas S., der Pächter des Restaurants "Herbstprinz" in Jork: Nur knapp verfehlten die Killer seine Halsschlagader.
Foto: Roeer

Andreas S. hat einen Albtraum durchlebt. Vier Männer standen mitten in der Nacht an seinem Bett, stachen mit Messern auf ihn ein. Jetzt kam heraus: Hinter der Attacke, die der 51-Jährige nur knapp überlebte, steckt laut Polizei seine eigene Freundin, die Mutter seines Kindes!

Das Restaurant „Herbstprinz“ in Jork (Landkreis Stade) ist das beste Haus am Platze. Edles Reetdach, Fachwerk. Das Haus gehört Andreas S. und seiner Freundin Sandra T. Die 35-Jährige betreibt das Restaurant.

Mit der gemeinsamen Tochter (6) lebte das Paar seit 2005 im Haus neben dem Restaurant – glücklich, wie Andreas S. denkt.
Bis 2009 Marc-Kevin W. als Koch in dem Restaurant anheuert. „Ihre Affäre muss kurz darauf begonnen haben“, sagt Andreas S. Doch das sei ihm alles erst im Nachhinein bewusst geworden.

Denn heute weiß er: Das Paar wollte ihn aus dem Weg räumen, schickte dafür Auftragskiller aus Hamburg in das beschauliche Alte Land.

Mordkomplott im Alten Land

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Vier Hamburger (17, 24 und 31), Drogendealer des Kochs, sollen die Sache erledigen. Für 1500 Euro Anzahlung, 3500 Euro sollen folgen. Ausgezahlt, wenn der Job erledigt ist.

Besonders perfide: Das Paar verschafft sich ein Alibi, fährt mit dem Mädchen in den Urlaub. Zum Abschied bekommt S. eine E-Mail von Freundin und Tochter („Wir lieben Dich“).

In der Nacht zum 30. März schließen die vier Männer die Tür des Hauses auf. Sie schleichen in das Schlafzimmer von Andreas S. (51), einer zieht ein Küchenmesser und rammt es dem schlafenden Mann in die Brust – sieben Zentimeter tief, er verfehlt knapp die Lunge.

„Aus Reflex habe ich mein Bein hochgezogen und um mich geschlagen.“ Doch die Männer stechen weiter zu – in den Hals, den Arm.

Dann habe er in der Dunkelheit einen der Täter erwischt, sagt S. Die Männer fliehen. Das Blut läuft dem 51-Jährigen in Strömen aus dem Arm, der Brust, dem Hals.

Doch er hat Glück, überlebt.

Im Buxtehuder Krankenhaus ahnt er noch nicht, dass es Sandra T. war, seine langjährige Freundin, die Mutter der gemeinsamen Tochter, die seinen Tod wollte. Und zusammen mit ihrem Arbeitskollegen und Liebhaber alles plante.

Dann kommt der erste Verdacht. Noch im Krankenhaus wundert sich der Mann, warum es keine Einbruchspuren gegeben hat. Das habe ihm die Polizei erzählt. Er ist sich sicher: Die Täter hatten einen Schlüssel. „Ich habe sie am Telefon gefragt, ob sie etwas mit dem Überfall zu tun hat.“ Sie habe geschwiegen.

Ab dann gab es Funkstille. Auf seine zahlreichen E-Mails reagiert sie nicht. Sandra T. und ihr Liebhaber sind mit der Tochter untergetaucht, reisen – so weiß S. jetzt – in Norddeutschland von Ferienhaus zu Ferienhaus.

Am 20. Mai werden dann das Paar und die vier Täter festgenommen. Kurz darauf darf S. sein kleines Mädchen wiedersehen. „Wir haben uns bei dem Treffen 15 Minuten heulend in den Armen gelegen. Gemeinsam mit seiner Tochter will der alleinerziehende Vater nun das Geschehene verarbeiten. Und auch mit dem Restaurant „Herbstprinz“ soll es bald weitergehen. Es wird ein Pächter gesucht.

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Datum:  3.6.2011
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